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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 4

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Cyberanthropologie 2/2

Im deutschen Sprachraum war Manfred Kremser einer der ersten Kultur- und Sozialanthropologen, der sich ausführlich mit neuen digitalen Technologien und deren Bedeutung für Mensch, Gesellschaft und Kultur auseinander setzte.1 Ab 1996 bot er Lehrveranstaltungen zu ausgewählten cyberanthropologischen Themen am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie (vormals Völkerkunde) der Universität Wien an. Dabei verstand er es geschickt, das neue Forschungsfeld der Cyberanthropologie mit Frage- und Problemstellungen zu verbinden, mit denen er sich bereits zuvor intensiv auseinander gesetzt hatte, besonders im Bereich der afrikanischen und afro-karibischen Religionen. So untersuchte Kremser beispielsweise, wie der soziokulturelle Raum des Cyberspace “Afrikanische Traditionelle Religionen” und “Afrikanische Diaspora Religionen” um eine zusätzliche Dimension, die Kremser (2003: 447) als “Afrikanische Digitale Diaspora Religionen” bezeichnet, erweitert.2 Historisch betrachtet, wurden afrikanische Religionen und deren Traditionen in der Diaspora laufend transformiert. Die “Afrikanische Digitale Diaspora” transformiert nun wiederum das bereits Transformierte auf neue Art und Weise (Kremser 2001a: 111). Diese “Cyber-Transformationen” implizieren einen fundamentalen Wandel von traditionellen und diasporischen Religionen (Kremser 2003: 448). Indigene religiöse Konzepte und Praktiken verlassen ihr lokales Territorium und werden durch global vernetzte digitale Technologien für viele Menschen weltweit verfügbar. Im Zuge dieses Globalisierungsprozesses werden afrikanische Kosmologien und Ritualsysteme in neue Formen von “Kultur” transformiert, an der ein Publikum global teilhaben kann (ebd.).

In seiner Forschung arbeitete Kremser (z.B. 2001a, 2001b, 2003) die Besonderheiten dieser Transformationsprozesse heraus. Die Genese digitaler afrikanischer Diaspora-Religionen ermöglicht es beispielsweise, die Ähnlichkeiten zwischen afrikanischer Spiritualität und grundlegenden Prinzipien des Cyberspace zu erkennen. So spielen etwa binäre Codesysteme sowohl in der Computertechnik als auch bei Ifá-Orakel in der Religion der Yoruba (vor allem im westlichen Nigeria) eine entscheidende Rolle (Kremser 2001b; siehe auch Eglash 1999: 86ff.; Eglash/Bleecker 2001: 357ff.). Digitale afrikanische Religionen bilden neue Kontexte für etablierte Konzepte und Praktiken und ermöglichen so deren Neuinterpretation und das Erleben neuer religiöser Dimensionen. Viele religiöse PraktikerInnen sind, nach Kremser (1998: 141ff.), nun in unterschiedlichen sozialen Feldern engagiert: etwa als PriesterInnen in lokalen Gemeinschaften, als LehrerInnen und spirituelle FührerInnen bei internationalen Workshops und Diaspora-Treffen sowie als ComputerspezialistInnen und religiöse UnternehmerInnen in globalen Online-Gemeinschaften der digitalen Diaspora. Um diese Felder auf methodischer Ebene zu berücksichtigen, schlägt Kremser (ebd.: 135ff.) vor, das “klassische” Konzept ethnographischer Feldforschung zur “Felder-Forschung” zu erweitern, in der sich EthnographInnen mit unterschiedlichen soziokulturellen Feldern befassen, die sich auch in den digitalen Raum erstrecken, sich überlappen und ergänzen (siehe auch Marcus 1998).

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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 4

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Cyberanthropologie 1/2

Internet Café, Toronto, Canada. Photo by Philipp Budka

Die Bezeichnung “Cyberanthropologie” lehnt sich an Wortschöpfungen wie “Cyberspace”, “Cyberkultur” und “Cyberpunk” an, die vor allem der Science-Fiction-Literatur und damit der Populärkultur entstammen (Knorr 2011; Tomas 1991). Der Begriff “Cyberspace” beispielsweise wurde das erste Mal vom Science-Fiction-Autor William Gibson in der Kurzgeschichte Burning Chrome (1982) verwendet und beschreibt einen computergenerierten Raum kollektiver Halluzination (siehe auch Gibson 1984). Das Präfix “Cyber” hat eine längere Geschichte und wurde durch den Mathematiker Norbert Wiener Ende der 1940er Jahre popularisiert. Er verwendete den Begriff “Kybernetik” (“Cybernetics”), um einen interdisziplinären Wissenschaftskomplex zu beschreiben, der sich mit Steuerung und Regelung in informationellen, mechanischen oder natürlichen Systemen befasst (Wiener 1948). In ihrer grundlegenden Form versteht Wiener Kybernetik als eine Theorie von Informationen, Signalen oder Nachrichten, die das Ziel verfolgt, ein Verfahren zur Informationsgenerierung und -organisation zu entwickeln, um etwa Mensch-Maschine-Kommunikation zu ermöglichen (Axel 2006: 359; siehe auch Knorr 2011: 31ff.; Matzker 1998: 157ff.).

Die Arbeit der Kybernetiker trug maßgeblich dazu bei, dass Themen wie Kommunikation sowie soziotechnische Beziehungen und Systeme in den Mittelpunkt anthropologischer Projekte rückten (z. B. Axel 2006; Boyer 2010). Gregory Bateson (2000) beispielsweise war besonders an den kommunikativen Beziehungen zwischen Organismen – menschlichen und nicht-menschlichen – und deren Umwelt interessiert. Kybernetik, so hoffte er, könnte entscheidend zum Verständnis komplexer Systeme, von Mensch-Nicht-Mensch-Interaktionen und letztlich auch des menschlichen Geistes selbst beitragen. Während die Kybernetik als interdisziplinäres Projekt in den 1980er Jahren an Schwung verlor, wurde die Suche nach Antworten auf komplexe Problemstellungen in Zusammenhang mit zunehmend technologisierten Systemen sowie Mensch-Nicht-Mensch-Kommunikation und -Interaktion in der Anthropologie fortgesetzt. Mitte der 1990er Jahre ließen sich drei größere cyberanthropologische Forschungsprojekte identifizieren, die einerseits miteinander verknüpft waren, andererseits ihren Fokus aber auf unterschiedliche Phänomenbereiche legten (Escobar 1994: 215ff.):

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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 3

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Eine Einleitung

Während in den Anfängen der anthropologischen Analyse von neuen digitalen Informations-, Kommunikations- und Medientechnologien noch von “Cyberanthropologie” bzw. “Cyberanthropology” (z.B. Budka/Kremser 2004; Knorr 2011) gesprochen wurde, werden diese Begriffe zunehmend von der Bezeichnung “Digitale Anthropologie” (z. B. Horst/Miller 2012) abgelöst.1 Obwohl sich die Bezeichnungen dieses Forschungsfeldes im Laufe der Jahre und unter Einfluss unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen sowie gesellschaftlicher und (populär)kultureller Trends änderten, blieben die Forschungsthemen und -schwerpunkte ähnlich: die soziokulturellen Implikationen und Bedeutungen neuer, digitaler Technologien. Dabei befassen sich AnthropologInnen oftmals mit den Verbindungen zwischen digitalen Technologien, Medien oder Kommunikationsformen einerseits und soziokulturellen Phänomenbereichen andererseits, die traditionell intensiv in der Disziplin bearbeitet werden, wie gesellschaftliche Beziehungen und Organisationsformen, kulturell unterschiedliche Formen der Kommunikation und Identitätskonstruktion, Ritualdynamiken und religiöse Prozesse oder ökonomische Praktiken (z. B. Budka/Kremser 2004; Horst/Miller 2012; Schröder/Voell 2002; Whitehead/Wesch 2012b).

Internet Café, Toronto, Canada. Photo by Philipp Budka

Das soziotechnische Phänomen, das die anthropologische Forschung zu digitalen Medientechnologien entscheidend vorantrieb, ist das Internet.2 Daniel Miller und Don Slater (2000: 14), die eine der ersten ethnographischen Studien über das Internet durchführten, betonen bereits hier, dass das Internet kein ausschließlich technisches, technologisches oder infrastrukturelles Phänomen sei, sondern auch ein soziokulturelles: Es ermöglicht Kommunikation, soziale Interaktion und kulturelle Repräsentation und ist nicht zuletzt deshalb Gegenstand anthropologischer Forschung (siehe auch Hart 2004). Das Internet und das World Wide Web (WWW)3 versprachen eine ganze Reihe von Dingen: unmittelbare globale Kommunikation, vernetztes Organisieren von Information und neue Formen von Politik, Ökonomie und Sozialität.

Howard Rheingold (2000: xviii), beispielsweise, betonte die Tragweite des “Cyberspace” für politische Freiheit und die Veränderung des “realen Lebens” durch die Etablierung “virtueller Gemeinschaften”. In der Untersuchung dieser neuen Vergemeinschaftungsformen befassten sich die ersten sozialwissenschaftlichen InternetforscherInnen zunächst mit deren (kommunikativen) Strukturen und ihrer (soziologischen) Entwicklung (z. B. Jones 1995; Smith/Kollock 1999). In der Folge verschob sich der Forschungsfokus auf den (sozialen) Netzwerkcharakter von Gesellschaften und Gemeinschaften, der sich, zumindest nach Meinung einiger SoziologInnen, im Internetzeitalter verstärkt und sogar konstituierend für das digital vernetzte Individuum ist (z. B. Castells 2000; Rainie/Wellman 2012).

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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 2

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Anthropologische Perspektiven auf Technik und Technologie 2/2

Aufbauend auf Mauss (1989) versteht Sigaut (1997) Technologie als Wissenschaft und darüber hinaus als einen Zweig der Anthropologie, da technische Fakten letztlich Fakten menschlicher Aktivität sind. Technologie steht dabei zu Technik wie Wissenschaft zu den von ihr erforschten Objekten. Um nun eine “echte wissenschaftliche Technologie” zu entwickeln – Sigaut (1997: 422) spricht von “truly scientific technology” – ist es notwendig, ein Forschungsobjekt durch Beobachtung und Beschreibung zu konstruieren, ein Prozess, den er “Technographie” nennt (ebd.: 423).

Technik, im Sinne von Mauss, meint wiederum jedes Set an Bewegungen oder Handlungen, das kombiniert wird, um ein bekanntes physisches, chemisches oder organisches Ziel zu erreichen (ebd.).1 Dabei benötigt Technik Wissen und Fertigkeiten. Wissen über technische Dinge bedeutet wiederum nicht, diese auch bedienen zu können. Dazu sind bestimmte Fertigkeiten – Ingold (2000: 289ff.) spricht von “skills” – notwendig. Um nun Wissen in Fertigkeiten zu transformieren, bedarf es eines Lernprozesses über unterschiedlich lange Zeiträume. Für Sigaut (1997: 445) können diese Fertigkeiten grundsätzlich nicht getrennt von permanenter und sich beständig erneuernder (sozialer) Handlungspraxis existieren. Technische Fertigkeiten lassen sich so als sozial produziert und darüber hinaus als eng mit materiellen Gütern verbunden verstehen. Die Anthropologie blickt nun genau auf diese soziotechnischen Beziehungen, die nach Sigaut die interessantesten Antworten auf technische und technologische Phänomene und Probleme in unseren Gesellschaften versprechen.

So wird in der Anthropologie etwa das Konzept des soziotechnischen Systems verwendet, um die genannten Phänomene gemeinsam und in ihrem Zusammenhang zu untersuchen. Dabei wird, wie bereits dargelegt, ein deterministisches Technologieverständnis – die Vorstellung, dass Technologie eine alles dominierende Kraft und entsprechende Handlungsautonomie besitzt – ebenso abgelehnt wie die Sichtweise, dass Technologie “neutral” ist und es keinerlei Verbindung zwischen Technik, Technologie, Gesellschaft und Kultur gäbe. Ein soziotechnisches System lässt sich als ein Komplex unterschiedlicher, miteinander verbundener Elemente verstehen: soziale Strukturen, Koordination und Organisation von Arbeit, soziale Beziehungen und Kommunikation zwischen AkteurInnen sowie Produktion und Verwendung von Artefakten. Dieses Gefüge von soziotechnisch relevanten Phänomenen ist dabei gleichzeitig adaptiv – das heißt anpassungs- und lernfähig – sowie expressiv – also ausdrucksfähig (Pfaffenberger 1992: 513).

Technologie wird in der Anthropologie (z. B. Eglash 2006) und in anderen Sozialwissenschaften (z. B. Vannini 2009) aber auch als materielle Kultur verstanden. Materielle Kultur lässt sich nach Daniel Miller (1997: 399) als die materielle Form jenes kulturellen Prozesses verstehen, durch den sich menschliche Gruppen konstruieren und sozialisieren. So erlaubt dieser Zugang, die Materialität und die Normativität von Technologien anhand ihrer Inkorporation in den soziokulturellen Alltag zu fassen. Wie sich in der anthropologischen und ethnographischen Forschungspraxis zeigt, ist die Materialität von Technologie mit phänomenologischen Erfahrungen verknüpft, über die soziale Verbindungen und (neue) Beziehungen zu Zeit und Raum sowie zu Körper und Wahrnehmung hergestellt werden (z.B. Ginsburg/Abu-Lughod/Larkin 2002).

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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 2

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Anthropologische Perspektiven auf Technik und Technologie 1/2

Seit Jahrzehnten untersuchen Kultur- und SozialanthropologInnen neue und “moderne” Techniken und Technologien und wie diese vor allem in “nichtwestlichen” Gesellschaften verwendet und angeeignet werden (z.B. Godelier 1971; Pfaffenberger 1992; Sharp 1952). Doch, wie etwa Arturo Escobar (1994) betont, gestaltet es sich oft schwierig, diese Forschungsansätze und -befunde auf hoch komplexe, technische Umgebungen in “modernen” Gesellschaften zu übertragen. Aus anthropologischer Perspektive bedeutet diese Transferschwierigkeit aber weder eine Abwertung von spezifischen Techniken oder Technologien und damit verbundenen gesellschaftlichen und kulturellen Systemen noch deren Hierarchisierung, etwa in einem evolutionistischen Sinn (z. B. Ingold 2000). All diese soziotechnischen Phänomene sind hoch komplex und heterogen.

Um diese Phänomene und damit zusammenhängende soziale Praktiken und kulturelle Prozesse an den Schnittstellen von Gesellschaft, Wissenschaft und Technik zu analysieren und zu verstehen, ist es notwendig, passende theoretische Zugänge und Konzepte zu generieren sowie empirische Befunde zu sammeln (z. B. Fischer 2007; Pfaffenberger 1992). Wie Robert Adams (1996: xiii) festhält, erlaubt gerade die Anthropologie als wissenschaftliche Disziplin eine spezifische, offene Sichtweise auf Technik und Technologie, die wesentliche Vorzüge hat. Erstens vermeidet sie eine Reduktion auf simple Regularitäten und messbare Quantitäten im Verstehen komplexer soziotechnischer Interaktionen. Weiters werden integrative und kontextbezogene Zugänge betont, um soziotechnischen Wandel und soziotechnische Kontinuität zu untersuchen. Und drittens erlaubt der Fokus auf Diversität scheinbar allgemein akzeptierte Kategorisierungen und Beschreibungen von soziokulturellen Phänomenen kritisch zu hinterfragen.

So setzt beispielsweise Bryan Pfaffenberger (1988b: 244) den beiden Extrempositionen des “technologischen Somnambulismus”, die keinen kausalen Zusammenhang zwischen Technologie, Gesellschaft und Kultur erkennen will, und des “technologischen Determinismus”, die Technologie als die alles bestimmende gesellschaftliche Antriebskraft versteht, das Konzept der “humanisierten Natur” entgegen, das Technologie als soziokulturelles Konstrukt versteht, das der Mensch aus seiner ihn umgebenden Natur gestaltet. Dieses Technologieverständnis versucht deterministische Zugänge ebenso zu vermeiden wie die damit verbundene Fetischisierung von Technologie (Budka 2013). Technologie als “humanisierte Natur” ist laut Pfaffenberger (1988b) ein fundamental soziales – oder angelehnt an Marcel Mauss (1989) ein “totales” – Phänomen, das das Materielle, das Soziale und das Symbolische in einem assoziativen Netz kombiniert.

Die Überzeugung, dass technische und gesellschaftliche Phänomene nicht getrennt voneinander zu untersuchen und zu verstehen sind, ist also grundlegend für die Anthropologie wie auch für die Wissenschafts- und Technikforschung sowie die Techniksoziologie (z. B. Bijker/Law 1992; Degele 2002). Aufgrund der Komplexität der Thematik ist es auch schwierig, eine allgemein gültige Definition von Technik bzw. Technologie zu finden. So meint etwa François Sigaut (1997: 422), dass sich letztlich viele Bemühungen, Technologie zu definieren, als widersprüchlich und damit als nutzlos herausstellen. Und Tim Ingold (2000: 296f.) konstatiert grundlegende Unterschiede in den Versuchen, Technologie zu definieren, die vorrangig davon abhängig sind, wie umfassend diese Definitionen angelegt werden und wie das Verhältnis zwischen Technologie und Wissenschaft interpretiert wird.

Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 1

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In dieser Serie von Blogeinträgen werde ich in den kommenden Wochen die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”, verdeutlichen. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Digitale Technik und Technologien haben das Menschsein verändert, und Menschen gestalten und verändern laufend Technik und Technologien. Diese Serie von Blogeinträgen zeigt, wie die Kultur- und Sozialanthropologie, als Wissenschaft vom sozialen und kulturellen Menschen, den wissenschaftstheoretischen Zugang sowie die Methodenwahl mitgestaltet, um diese komplexe Beziehung zu erfassen, zu beschreiben und letztlich zu verstehen. Dabei wird auch sie von Entwicklungs- und Veränderungsprozessen geprägt, die als soziotechnisch – im Sinne der engen Verknüpfung zwischen dem Sozialen und dem Technischen, zwischen Gesellschaft, Technik und Technologie – bezeichnet werden können.

So ist die Kultur- und Sozialanthropologie längst nicht mehr nur die Wissenschaft von “einfachen außereuropäischen Kulturen”.1 Seit Jahrzehnten forschen ihre VertreterInnen, zumeist vergleichend, zu komplexen Phänomenen, Prozessen und Veränderungen in unterschiedlichsten menschlichen Gesellschaften. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten AnthropologInnen begannen, sich mit technischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Praktiken in Europa und den USA auseinander zu setzen (z. B. Fischer 1999, 2007; Pfaffenberger 1988b, 1992).

So kamen schrittweise digitale Informations-, Kommunikations- und Medientechnologien und mit diesen verbundene Prozesse und Praktiken in den Fokus anthropologischer Forschung: von der allgemeinen kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutung digitaler Technologieentwicklung und deren Relevanz für das Menschsein und die Disziplin der Anthropologie (z. B. Dourish/Bell 2011; Escobar 1994; Hakken 1999; Houtman/Zeitlyn 1996; Miller 2018; Miller/Horst 2012; Uimonen 2015; Whitehead/Wesch 2012a) bis hin zur Untersuchung von spezifischen Zusammenhängen zwischen digitalen Technologien und soziokulturellen Phänomenen, wie Konflikt (Bräuchler 2005) und Ethnizität (Zurawski 2000) im Internet, Veränderungen der Arbeitswelt (Kjaerulff 2010) und menschlicher Kommunikationsweisen (Schröder/Voell 2002) oder die kulturelle Bedeutung Freier Software (Kelty 2008).

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Digitale Anthropologie

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Dieser Text wurde 2017 für den Blog der Universität Wien geschrieben; für eine überarbeitete und erweiterte Version des Textes siehe
Budka, P. 2019. Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In: Luger, M., Graf, F. & Budka, P. (Hg.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance. Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press, 163-188.

Die Kultur- und Sozialanthropologie ist längst nicht mehr nur die Wissenschaft von „einfachen“, außereuropäischen Gesellschaften und Kulturen. Seit Jahrzehnten forscht die Kultur- und Sozialanthropologie kulturvergleichend zu komplexen Prozessen, Entwicklungen und Veränderungen in allen menschlichen Gesellschaften und Kulturen. Da war es nur eine Frage der Zeit bis die ersten Kultur- und SozialanthropologInnen begannen sich auch mit digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), wie dem Internet, Smartphones oder Sozialen Medien, auseinander zu setzen. Die Wiener Kultur- und Sozialanthropologie war dabei – zumindest im deutschen Sprachraum – unter den ersten, die sich mit den Verbindungen und Zusammenhängen zwischen digitalen Medientechnologien und soziokulturellen Phänomenbereichen aus spezifisch anthropologischer/ethnologischer Perspektive befassten.

In diesem Blogbeitrag gehe ich der Frage nach, welche Rolle die Kultur- und Sozialanthropologie in der Untersuchung und in weiterer Folge im Verstehen digitaler Medientechnologien spielt. Andere Aspekte der Digitalisierung dieser Disziplin – wie z.B. computerunterstützte Forschungsprojekte und -methoden, neue Publikationsmöglichkeiten durch Open Access, neue Wege der Präsentation und Kommunikation von Forschung mittels Blogs oder Sozialer Medien sowie neue Methoden und Strategien für Lernen und Lehre – kann ich hier nicht näher diskutieren.

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Concept map: Ethnographie des Cyberspace (nach Ackermann, 2000)

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Diese Concept Map visualisiert die wesentlichsten Punkte einer “Ethnographie des Cyberspace” nach Ackermann (2000).

“Für die Ethnologie sind die sozialen Phänomene des Cyberspace insofern von Interesse, als sie auf der theoretischen Ebene zu einer Auseinandersetzung mit traditionellen Konzepten von Sozialität … herausfordern und auf der empirischen Ebene die Flexibilität und Variabilität der Methode … einfordern” (S. 289).

A. Ackermann. 2000. Das virtuelle Universum der Identität. Überlegungen zu einer Ethnographie des Cyberspace. In S. M. Schomburg-Scherff & B. Heintze (Hg.) Die offenen Grenzen der Ethnologie. Schlaglichter auf ein sich wandelndes Fach. Frankfurt/Main: Lembeck. S. 276-290.

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Seminar: Media & visual technologies as material culture – students’ projects

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The following joint student projects are conducted in the seminar “Media and visual technologies as material culture” at the Department of Social and Cultural Anthropology of the University of Vienna:

  • Team A: Non-Use of Smartphones
    -> Which impact does the non-use of smartphones have for the private and working life? Why do people decide against using smartphones?
  • Team B: Meaning of Cellphones for Refugees
    -> What is the meaning of cellphones for refugees in Austria?
  • Team C: Crowd-sourcing & Labor
    -> How are subjective meanings of “team work” shaped by the inter-dependencies between freelancers and the website Capacitor?
  • Team D: Sharing of Visual Media, Art & Cultural Identity
    -> In what aspects have the Japanese art forms of dance and painting changed through the sharing of visual media/material?
  • Team E: Access to Internet & Power Relations within the Family Home
    -> What are the effects of internet usage on children and young adults in respect to power relations in the family home?
  • Team F: Conversion/Discussion about Digital Content
    -> What is the difference between usage of commentary sections of Serbian and German online newspapers?
  • Team G: Self-Identification through Visual Communication & Social Media
    -> How do people identify/define themselves through visual communication via social media (websites (blogs), video blogs and Instagram)?
  • Team H: Ayahuasceros – Making of Ritual Community on Facebook
    -> What is the relevance of Facebook in the community building process of Austrian Ayahuasca ceremonies?
  • Team I: Bicycle Movement & Digital Media in Vienna
    -> How are digital media technologies utilized in relation to the social network BikeKitchen?

Article: From marginalization to self-determined participation

Article: From marginalization to self-determined participation published on 1 Comment on Article: From marginalization to self-determined participation

Budka, P. 2015. From marginalization to self-determined participation: Indigenous digital infrastructures and technology appropriation in Northwestern Ontario’s remote communities. Journal des Anthropologues – Special Issue “Margins and Digital Technologies”. No. 142-143: 127-153.

Abstract

This article discusses, from an anthropological perspective, the utilization of digital infrastructures and technologies in the geographical and sociocultural contexts of indigenous Northwestern Ontario, Canada. By introducing the case of the Keewaytinook Okimakanak Kuh-ke-nah Network (KO-KNET) it analyses first how digital infrastructures not only connect First Nations people and communities but also enable relationships between local communities and non-indigenous institutions. Second, and by drawing on KO-KNET’s homepage service MyKnet.org, it exemplifies how people appropriate digital technologies for their specific needs in a remote and isolated area. KO-KNET and its services facilitate First Nations’ self-determined participation to regional, national, and even global ICT connectivity processes, contributing thus to the “digital demarginalization” of Northwestern Ontario’s remote communities.

Text (PDF)

Review: Cyberidentities at war: The Moluccan conflict on the Internet

Review: Cyberidentities at war: The Moluccan conflict on the Internet published on 3 Comments on Review: Cyberidentities at war: The Moluccan conflict on the Internet

Budka, P. 2015. Review of Bräuchler, B. Cyberidentities at war: The Moluccan conflict on the Internet. New York & Oxford: Berghahn, 2013. American Anthropologist, 117/1: 179-180.

Birgit Bräuchler’s book Cyberidentities at War was originally published in German in 2005. It is the result of her dissertation research on the Moluccan conflict and how it took place in cyberspace—the social space constituted by Internet-related practices. The English edition of this volume not only brings one of the few long-term ethnographic accounts of an online conflict to an international audience but also includes a new epilogue that briefly discusses what happened to the actors analyzed in the book and current developments in anthropological Internet research, particularly in respect to social movements and religions. In the early 2000s, a detailed anthropological inquiry into conflicts in relation to Internet technologies was still missing. By providing such an anthropological account and by conducting online ethnographic research, Bräuchler broke new ground and contributed to the then-emerging field of cyberanthropology.

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Paper: Von „Cyber Anthropologie“ zu „Digitaler Anthropologie“: kultur- und sozialanthropologische Beiträge zur Erforschung digitaler Medientechnologien.

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Budka. P. 2014. Von „Cyber Anthropologie“ zu „Digitaler Anthropologie“: kultur- und sozialanthropologische Beiträge zur Erforschung digitaler Medientechnologien. Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung: „Rituale, Medien, Bewusstsein – in Memoriam Manfred Kremser“, 9. Januar 2014.

Einleitung

Dieser Vortrag wirft einen Blick auf die kultur- und sozialanthropologische Erforschung digitaler Medientechnologien wie Internet, Soziale Online-Netzwerke und mobile Kommunikationstechnologien. Dabei werden die Grundzüge des Forschungsfeldes der „Cyber Anthropologie“ – besonders im Bezug zum Wiener Institut für Kultur- und Sozialanthropologie – ebenso vorgestellt wie die rezente Entwicklung einer „Digitalen Anthropologie“. Die gemeinsame, übergeordnete Frage dieser kultur- und sozialanthropologischen Projekte lautet: „Was bedeutet Menschsein in einer (zunehmend) digitalen Welt?“. Fallbeispiele aus der ethnographischen Forschungspraxis behandeln konkrete Aspekte des „digitalen Menschseins“ und runden die theoretische Diskussion ab.

Medienanthropologie und die technische Mediatisierung von Kommunikation

In der Kultur- und Sozialanthropologie lässt sich die Forschung zu Medientechnologien grundsätzlich als Forschung zu menschlicher Kommunikation, die von Technologien mediatisiert wird, verstehen. Diese Mediatisierung von Kommunikation ist für die Kultur- und Sozialanthropologie besonders hinsichtlich ihrer Einbettung in soziokulturelle und historische Prozesse und Kontexte interessant: „The key questions for the anthropologist are how these technologies operate to mediate human communication, and how such mediation is embedded in broader social and historical processes“ (Peterson 2003: 5).

In der Medienanthropologie geht es um die Mediatisierung von Kommunikation in unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten und unter spezifischen historischen, politischen und ökonomischen Bedingungen.

In der Kultur- und Sozialanthropologie werden Medien nicht auf ihre Inhalte oder Botschaften reduziert. Im Versuch ein möglichst ganzheitliches Bild von Medienphänomenen zu erlangen, werden Kontexte und Bedingungen unter denen Medien produziert, verteilt und genutzt werden ebenso analysiert wie die technischen Aspekte von Medien. Medien beinhalten immer auch Technologien, die die Mediatisierung von Kommunikation erst ermöglichen. Es macht also Sinn nicht nur von Medien sondern von Medientechnologien zu sprechen.

Über Medientechnologien entwickeln Menschen neue Beziehungen zu Zeit und Raum sowie zu Körper und Wahrnehmung. Und diese Verhältnisse verändern sich aufgrund medientechnologischer Entwicklungen permanent. Die „greifbare“ Materialität von Medientechnologien und die damit verbundenen phänomenologischen Erfahrungen sind also wesentlicher Gegenstand medienethnographischer und medienanthropologischer Forschung (vgl. Ginsburg et al. 2002: 21).

Wichtigste methodische Herangehensweise, um Medienphänomene zu erfassen, ist für die Medienanthropologie, wie für die Kultur- und Sozialanthropologie im Allgemeinen, die ethnographische Feldforschung. Diese methodische Strategie zur empirischen Datenerhebung passt sich dabei sowohl dem Feld als auch den soziokulturellen Handlungsräumen der Menschen an (vgl. z.B. Kremser 1998, Marcus 1998) und kann sich also nicht allein auf Inhalte und deren Rezeption beschränken. Sie muss auch die physischen und sensorischen Dimensionen von Medientechnologien miteinbeziehen, weil über diese soziale Beziehungen hergestellt werden können.

Technologie im soziokulturellen Kontext

Seit den 1950er Jahren untersuchen Kultur- und SozialanthropologInnen neue und „moderne“ Technologien und wie diese vor allem in „nicht-westlichen“ Gemeinschaften verwendet und angeeignet werden (vgl. z.B. Beck 2001, Godelier 1971, Pfaffenberger 1992, Sharp 1952). Doch wie unter anderem Arturo Escobar (1994) meint, ist es schwierig diese Forschungsansätze und -befunde auf hochkomplexe technische Umgebungen in „modernen“ Gesellschaften zu übertragen. Aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive bedeutet diese Transferschwierigkeit weder eine Hierarchisierung von soziotechnischen Systemen und damit verbunden von Gesellschaften, noch bedeutet dies eine Abwertung „nicht-moderner“ oder „traditioneller“ soziotechnischer Systeme. All diese Systeme – vom Töpfern in Indien bis zum Programmieren von Software in Kalifornien – sind hochkomplex und heterogen.

Es besteht allerdings dringender Bedarf an theoretischen Zugängen und weiteren empirischen Befunden, die zum Verständnis soziotechnischer Systeme in „modernen“ Gesellschaften beitragen. So befasst sich auch die Kultur- und Sozialanthropologie zunehmend mit soziotechnischen Systemen in zeitgenössischen Gesellschaften (vgl. z.B. Rabinow 2008, Rabinow & Marcus 2008) – vor allem auch, weil immer wieder Fragen auftauchen, die scheinbar nur von der Kultur- und Sozialanthropologie beantwortet werden können, etwa nach der soziokulturellen und soziokulturell unterschiedlichen Bedeutung von Technologien (vgl. Pfaffenberger 1988, 1992).

Die Kultur- und Sozialanthropologie versucht zu verstehen, wie Technologie – beispielsweise in Form materieller Kultur oder als soziotechnisches System – (kulturell) konstruiert und (sozial) verwendet, genutzt und angeeignet wird. Ähnliche Ziele verfolgen auch Wissenschaftsforschung, Science and Technology Studies und sozialwissenschaftliche Technikforschung (vgl. z.B. Eglash 2006). Die Entwicklung und der Aufschwung digitaler (Medien)Technologien führen zu einer weiteren Differenzierung dieses Forschungsbereichs und zur Etablierung neuer Schwerpunkte.

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Article: Digitale Medientechnologien aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive

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Budka, P. 2013. Digitale Medientechnologien aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive: Überlegungen zu Technologie als materielle Kultur und Fetisch (Digital media technologies from an anthropological perspective: Reflections on technology as material culture and fetish). Medien und Zeit, 28, 1/2013: 22-34.

Abstract

Dieser Aufsatz blickt auf digitale Medientechnologien aus Perspektive der Kultur- und Sozialanthropologie. In einem wissenschaftstheoretischen und historischen Abriss werden einerseits Eckpunkte in der Entwicklung relevanter Forschungsfelder, wie die Anthropologie und Ethnographie der Medientechnologien, die Digitale Anthropologie sowie die Anthropologie der Cyberkultur behandelt. Andererseits werden zwei Fallbeispiele aus der ethnographischen Forschungspraxis vorgestellt, die digitale Technologien als materielle Kultur verstehen. Technologie als materielle Kultur erlaubt es die Materialität und die Normativität von Technologien ebenso zu fassen wie deren alltägliche Aneignung in wandelnden soziokulturellen, politischen und ökonomischen Kontexten. Der Aufsatz schließt mit einer Diskussion der Fetischisierung von Technologien, deren Bedeutung und Zusammenhänge.

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Seminar research projects

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In the seminar “Identity, sociality & communality in times of digital media technologies” at the Department of Social and Cultural Anthropology, University of Vienna, students work in research teams on aspects of privacy, gaming, movements, participation, solidarity and visual culture.

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Seminar: Identity, sociality and communality in times of digital media technologies

Seminar: Identity, sociality and communality in times of digital media technologies published on No Comments on Seminar: Identity, sociality and communality in times of digital media technologies

In the winter term 2012/2013, I am teaching a seminar on “Identity, sociality and communality in times of digital media technologies” at the Department of Social and Cultural Anthropology, University of Vienna. Students in this course learn about and to work with different forms of identity construction and processes of sociality and communality, which have been made possible through digital media technologies, such as the internet. Students get a brief overview about identity concepts and the possibility to deploy them within empirical research projects.

Find more information about this seminar here: http://www.philbu.net/courses.html