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Panel “Digital Ethnography: Revisiting Theoretical Concepts & Methodological Approaches”

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Panel “Digital Ethnography: Revisiting Theoretical Concepts & Methodological Approaches” @ Vienna Anthropology Days 2020 (VANDA2020, Sept. 28 – Oct. 1), convened by Philipp Budka & Monika Palmberger.
More details, including the paper abstracts, to be found at https://vanda.univie.ac.at/scientific-program/.

Session 1

Rebecca Carlson (Temple University / TMDU): Online with bioinformatic scientists in Tokyo: Doing digital ethnography in a pandemic

Simone Pfeifer (Johannes Gutenberg University Mainz): Digital ethnography on, with, and through social media and messenger services: Ethical and methodological reflections from two different research projects

Monika Palmberger (University of Vienna): “New media of care”: Methodological reflections on digital diaries

Annika Richterich (University of Sussex): Critical making and digital ethnography

Franziska Weidle (Brandenburg University of Technology): Co-creating with software: Towards a computational correspondence in digital ethnography

Session 2

Cristiane Damasceno (UNC Greensboro): Innovative research methods for the disinformation age

Marie Hermanová (Czech Academy of Sciences): Too real is fake: Authenticity and digital intimacy between influencers and researchers

Christian Ritter (Tallinn University): Mediated relationships and remote ethnography: Following the rise and fall of travel influencers

Suzana Jovicic (University of Vienna): Neither here nor there: Smartphone in the ethnographic encounter

Libuše Veprek (LMU Munich): Bringing the subject into focus in large scale textual data analysis

Session 3

Maria Schreiber (University of Salzburg): #strokesurvivor: Studying a “hashtag public” on Instagram

Zoë Glatt (LSE): Becoming a YouTuber: (Auto)ethnographic explorations of the online video industry

Xiaowei Huang (Guangzhou College of Commerce): Second Life, ethnography and virtual culture

Philipp Budka (University of Vienna): Digital ethnography and web archives: The case of an indigenous web-based environment

Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 4

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Cyberanthropologie 2/2

Im deutschen Sprachraum war Manfred Kremser einer der ersten Kultur- und Sozialanthropologen, der sich ausführlich mit neuen digitalen Technologien und deren Bedeutung für Mensch, Gesellschaft und Kultur auseinander setzte.1 Ab 1996 bot er Lehrveranstaltungen zu ausgewählten cyberanthropologischen Themen am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie (vormals Völkerkunde) der Universität Wien an. Dabei verstand er es geschickt, das neue Forschungsfeld der Cyberanthropologie mit Frage- und Problemstellungen zu verbinden, mit denen er sich bereits zuvor intensiv auseinander gesetzt hatte, besonders im Bereich der afrikanischen und afro-karibischen Religionen. So untersuchte Kremser beispielsweise, wie der soziokulturelle Raum des Cyberspace “Afrikanische Traditionelle Religionen” und “Afrikanische Diaspora Religionen” um eine zusätzliche Dimension, die Kremser (2003: 447) als “Afrikanische Digitale Diaspora Religionen” bezeichnet, erweitert.2 Historisch betrachtet, wurden afrikanische Religionen und deren Traditionen in der Diaspora laufend transformiert. Die “Afrikanische Digitale Diaspora” transformiert nun wiederum das bereits Transformierte auf neue Art und Weise (Kremser 2001a: 111). Diese “Cyber-Transformationen” implizieren einen fundamentalen Wandel von traditionellen und diasporischen Religionen (Kremser 2003: 448). Indigene religiöse Konzepte und Praktiken verlassen ihr lokales Territorium und werden durch global vernetzte digitale Technologien für viele Menschen weltweit verfügbar. Im Zuge dieses Globalisierungsprozesses werden afrikanische Kosmologien und Ritualsysteme in neue Formen von “Kultur” transformiert, an der ein Publikum global teilhaben kann (ebd.).

In seiner Forschung arbeitete Kremser (z.B. 2001a, 2001b, 2003) die Besonderheiten dieser Transformationsprozesse heraus. Die Genese digitaler afrikanischer Diaspora-Religionen ermöglicht es beispielsweise, die Ähnlichkeiten zwischen afrikanischer Spiritualität und grundlegenden Prinzipien des Cyberspace zu erkennen. So spielen etwa binäre Codesysteme sowohl in der Computertechnik als auch bei Ifá-Orakel in der Religion der Yoruba (vor allem im westlichen Nigeria) eine entscheidende Rolle (Kremser 2001b; siehe auch Eglash 1999: 86ff.; Eglash/Bleecker 2001: 357ff.). Digitale afrikanische Religionen bilden neue Kontexte für etablierte Konzepte und Praktiken und ermöglichen so deren Neuinterpretation und das Erleben neuer religiöser Dimensionen. Viele religiöse PraktikerInnen sind, nach Kremser (1998: 141ff.), nun in unterschiedlichen sozialen Feldern engagiert: etwa als PriesterInnen in lokalen Gemeinschaften, als LehrerInnen und spirituelle FührerInnen bei internationalen Workshops und Diaspora-Treffen sowie als ComputerspezialistInnen und religiöse UnternehmerInnen in globalen Online-Gemeinschaften der digitalen Diaspora. Um diese Felder auf methodischer Ebene zu berücksichtigen, schlägt Kremser (ebd.: 135ff.) vor, das “klassische” Konzept ethnographischer Feldforschung zur “Felder-Forschung” zu erweitern, in der sich EthnographInnen mit unterschiedlichen soziokulturellen Feldern befassen, die sich auch in den digitalen Raum erstrecken, sich überlappen und ergänzen (siehe auch Marcus 1998).

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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 4

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Cyberanthropologie 1/2

Internet Café, Toronto, Canada. Photo by Philipp Budka

Die Bezeichnung “Cyberanthropologie” lehnt sich an Wortschöpfungen wie “Cyberspace”, “Cyberkultur” und “Cyberpunk” an, die vor allem der Science-Fiction-Literatur und damit der Populärkultur entstammen (Knorr 2011; Tomas 1991). Der Begriff “Cyberspace” beispielsweise wurde das erste Mal vom Science-Fiction-Autor William Gibson in der Kurzgeschichte Burning Chrome (1982) verwendet und beschreibt einen computergenerierten Raum kollektiver Halluzination (siehe auch Gibson 1984). Das Präfix “Cyber” hat eine längere Geschichte und wurde durch den Mathematiker Norbert Wiener Ende der 1940er Jahre popularisiert. Er verwendete den Begriff “Kybernetik” (“Cybernetics”), um einen interdisziplinären Wissenschaftskomplex zu beschreiben, der sich mit Steuerung und Regelung in informationellen, mechanischen oder natürlichen Systemen befasst (Wiener 1948). In ihrer grundlegenden Form versteht Wiener Kybernetik als eine Theorie von Informationen, Signalen oder Nachrichten, die das Ziel verfolgt, ein Verfahren zur Informationsgenerierung und -organisation zu entwickeln, um etwa Mensch-Maschine-Kommunikation zu ermöglichen (Axel 2006: 359; siehe auch Knorr 2011: 31ff.; Matzker 1998: 157ff.).

Die Arbeit der Kybernetiker trug maßgeblich dazu bei, dass Themen wie Kommunikation sowie soziotechnische Beziehungen und Systeme in den Mittelpunkt anthropologischer Projekte rückten (z. B. Axel 2006; Boyer 2010). Gregory Bateson (2000) beispielsweise war besonders an den kommunikativen Beziehungen zwischen Organismen – menschlichen und nicht-menschlichen – und deren Umwelt interessiert. Kybernetik, so hoffte er, könnte entscheidend zum Verständnis komplexer Systeme, von Mensch-Nicht-Mensch-Interaktionen und letztlich auch des menschlichen Geistes selbst beitragen. Während die Kybernetik als interdisziplinäres Projekt in den 1980er Jahren an Schwung verlor, wurde die Suche nach Antworten auf komplexe Problemstellungen in Zusammenhang mit zunehmend technologisierten Systemen sowie Mensch-Nicht-Mensch-Kommunikation und -Interaktion in der Anthropologie fortgesetzt. Mitte der 1990er Jahre ließen sich drei größere cyberanthropologische Forschungsprojekte identifizieren, die einerseits miteinander verknüpft waren, andererseits ihren Fokus aber auf unterschiedliche Phänomenbereiche legten (Escobar 1994: 215ff.):

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CfP: Digital Ethnography: Revisiting Theoretical Concepts and Methodological Approaches

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Call for Papers for Panel “Digital Ethnography: Revisiting Theoretical Concepts and Methodological Approaches” at Vienna Anthropology Days (VANDA), 28 Sept. – 1 Oct. 2020, University of Vienna, Austria.

Organizers

Philipp Budka (University of Vienna)
Monika Palmberger (University of Vienna)

Abstract

Ethnographic research has the potential to dig deep into mediated personal relationships as well as into socio-technical relations in an increasingly digitized and digitalized world (e.g., Hjorth et al. 2017; Horst & Miller, 2012; Pink et al., 2016). In order to do so, ethnographers and anthropologists have engaged with a variety of digital and multimodal methods such as online ethnographic fieldwork and participant observation, digital storytelling, mobile and visual media elicitation, digital media biographies, and digital video re-enactments (e.g., Pink et al., 2016). Their research has opened up new knowledge horizons such as the changing emotional, normative or symbolic dimensions of complex social relations and cultural practices entangled with new digital media technologies.

This session provides room for critical and ethical reflections on theory and methodology in the field of digital anthropology/ethnography, including, but not limited to, the following questions:

  • Which theoretical concepts are particularly fruitful in the ethnographic and anthropological exploration of digital phenomena?  
  • How are such concepts entangled with methodological approaches and challenges, for example by reconsidering issues of collaboration, decolonization, confidentiality or intimacy?  
  • How can we do participant observation when communication and interaction are increasingly ‘individualized’ and veiled due to digital technologies, particularly the smartphone?  
  • Which forms of collecting, interpreting and representing empirical data do we aspire for?

This session invites presenters to revisit previous discussions and critically reflect upon current relevant debates in anthropology and beyond. Papers may be empirically, methodologically or theoretically driven.

Deadline & Submission

Please submit your paper abstracts (max. 350 words) online via the conference system latest by 1 July 2020.

Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 3

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Eine Einleitung

Während in den Anfängen der anthropologischen Analyse von neuen digitalen Informations-, Kommunikations- und Medientechnologien noch von “Cyberanthropologie” bzw. “Cyberanthropology” (z.B. Budka/Kremser 2004; Knorr 2011) gesprochen wurde, werden diese Begriffe zunehmend von der Bezeichnung “Digitale Anthropologie” (z. B. Horst/Miller 2012) abgelöst.1 Obwohl sich die Bezeichnungen dieses Forschungsfeldes im Laufe der Jahre und unter Einfluss unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen sowie gesellschaftlicher und (populär)kultureller Trends änderten, blieben die Forschungsthemen und -schwerpunkte ähnlich: die soziokulturellen Implikationen und Bedeutungen neuer, digitaler Technologien. Dabei befassen sich AnthropologInnen oftmals mit den Verbindungen zwischen digitalen Technologien, Medien oder Kommunikationsformen einerseits und soziokulturellen Phänomenbereichen andererseits, die traditionell intensiv in der Disziplin bearbeitet werden, wie gesellschaftliche Beziehungen und Organisationsformen, kulturell unterschiedliche Formen der Kommunikation und Identitätskonstruktion, Ritualdynamiken und religiöse Prozesse oder ökonomische Praktiken (z. B. Budka/Kremser 2004; Horst/Miller 2012; Schröder/Voell 2002; Whitehead/Wesch 2012b).

Internet Café, Toronto, Canada. Photo by Philipp Budka

Das soziotechnische Phänomen, das die anthropologische Forschung zu digitalen Medientechnologien entscheidend vorantrieb, ist das Internet.2 Daniel Miller und Don Slater (2000: 14), die eine der ersten ethnographischen Studien über das Internet durchführten, betonen bereits hier, dass das Internet kein ausschließlich technisches, technologisches oder infrastrukturelles Phänomen sei, sondern auch ein soziokulturelles: Es ermöglicht Kommunikation, soziale Interaktion und kulturelle Repräsentation und ist nicht zuletzt deshalb Gegenstand anthropologischer Forschung (siehe auch Hart 2004). Das Internet und das World Wide Web (WWW)3 versprachen eine ganze Reihe von Dingen: unmittelbare globale Kommunikation, vernetztes Organisieren von Information und neue Formen von Politik, Ökonomie und Sozialität.

Howard Rheingold (2000: xviii), beispielsweise, betonte die Tragweite des “Cyberspace” für politische Freiheit und die Veränderung des “realen Lebens” durch die Etablierung “virtueller Gemeinschaften”. In der Untersuchung dieser neuen Vergemeinschaftungsformen befassten sich die ersten sozialwissenschaftlichen InternetforscherInnen zunächst mit deren (kommunikativen) Strukturen und ihrer (soziologischen) Entwicklung (z. B. Jones 1995; Smith/Kollock 1999). In der Folge verschob sich der Forschungsfokus auf den (sozialen) Netzwerkcharakter von Gesellschaften und Gemeinschaften, der sich, zumindest nach Meinung einiger SoziologInnen, im Internetzeitalter verstärkt und sogar konstituierend für das digital vernetzte Individuum ist (z. B. Castells 2000; Rainie/Wellman 2012).

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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 2

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Anthropologische Perspektiven auf Technik und Technologie 2/2

Aufbauend auf Mauss (1989) versteht Sigaut (1997) Technologie als Wissenschaft und darüber hinaus als einen Zweig der Anthropologie, da technische Fakten letztlich Fakten menschlicher Aktivität sind. Technologie steht dabei zu Technik wie Wissenschaft zu den von ihr erforschten Objekten. Um nun eine “echte wissenschaftliche Technologie” zu entwickeln – Sigaut (1997: 422) spricht von “truly scientific technology” – ist es notwendig, ein Forschungsobjekt durch Beobachtung und Beschreibung zu konstruieren, ein Prozess, den er “Technographie” nennt (ebd.: 423).

Technik, im Sinne von Mauss, meint wiederum jedes Set an Bewegungen oder Handlungen, das kombiniert wird, um ein bekanntes physisches, chemisches oder organisches Ziel zu erreichen (ebd.).1 Dabei benötigt Technik Wissen und Fertigkeiten. Wissen über technische Dinge bedeutet wiederum nicht, diese auch bedienen zu können. Dazu sind bestimmte Fertigkeiten – Ingold (2000: 289ff.) spricht von “skills” – notwendig. Um nun Wissen in Fertigkeiten zu transformieren, bedarf es eines Lernprozesses über unterschiedlich lange Zeiträume. Für Sigaut (1997: 445) können diese Fertigkeiten grundsätzlich nicht getrennt von permanenter und sich beständig erneuernder (sozialer) Handlungspraxis existieren. Technische Fertigkeiten lassen sich so als sozial produziert und darüber hinaus als eng mit materiellen Gütern verbunden verstehen. Die Anthropologie blickt nun genau auf diese soziotechnischen Beziehungen, die nach Sigaut die interessantesten Antworten auf technische und technologische Phänomene und Probleme in unseren Gesellschaften versprechen.

So wird in der Anthropologie etwa das Konzept des soziotechnischen Systems verwendet, um die genannten Phänomene gemeinsam und in ihrem Zusammenhang zu untersuchen. Dabei wird, wie bereits dargelegt, ein deterministisches Technologieverständnis – die Vorstellung, dass Technologie eine alles dominierende Kraft und entsprechende Handlungsautonomie besitzt – ebenso abgelehnt wie die Sichtweise, dass Technologie “neutral” ist und es keinerlei Verbindung zwischen Technik, Technologie, Gesellschaft und Kultur gäbe. Ein soziotechnisches System lässt sich als ein Komplex unterschiedlicher, miteinander verbundener Elemente verstehen: soziale Strukturen, Koordination und Organisation von Arbeit, soziale Beziehungen und Kommunikation zwischen AkteurInnen sowie Produktion und Verwendung von Artefakten. Dieses Gefüge von soziotechnisch relevanten Phänomenen ist dabei gleichzeitig adaptiv – das heißt anpassungs- und lernfähig – sowie expressiv – also ausdrucksfähig (Pfaffenberger 1992: 513).

Technologie wird in der Anthropologie (z. B. Eglash 2006) und in anderen Sozialwissenschaften (z. B. Vannini 2009) aber auch als materielle Kultur verstanden. Materielle Kultur lässt sich nach Daniel Miller (1997: 399) als die materielle Form jenes kulturellen Prozesses verstehen, durch den sich menschliche Gruppen konstruieren und sozialisieren. So erlaubt dieser Zugang, die Materialität und die Normativität von Technologien anhand ihrer Inkorporation in den soziokulturellen Alltag zu fassen. Wie sich in der anthropologischen und ethnographischen Forschungspraxis zeigt, ist die Materialität von Technologie mit phänomenologischen Erfahrungen verknüpft, über die soziale Verbindungen und (neue) Beziehungen zu Zeit und Raum sowie zu Körper und Wahrnehmung hergestellt werden (z.B. Ginsburg/Abu-Lughod/Larkin 2002).

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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 2

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Anthropologische Perspektiven auf Technik und Technologie 1/2

Seit Jahrzehnten untersuchen Kultur- und SozialanthropologInnen neue und “moderne” Techniken und Technologien und wie diese vor allem in “nichtwestlichen” Gesellschaften verwendet und angeeignet werden (z.B. Godelier 1971; Pfaffenberger 1992; Sharp 1952). Doch, wie etwa Arturo Escobar (1994) betont, gestaltet es sich oft schwierig, diese Forschungsansätze und -befunde auf hoch komplexe, technische Umgebungen in “modernen” Gesellschaften zu übertragen. Aus anthropologischer Perspektive bedeutet diese Transferschwierigkeit aber weder eine Abwertung von spezifischen Techniken oder Technologien und damit verbundenen gesellschaftlichen und kulturellen Systemen noch deren Hierarchisierung, etwa in einem evolutionistischen Sinn (z. B. Ingold 2000). All diese soziotechnischen Phänomene sind hoch komplex und heterogen.

Um diese Phänomene und damit zusammenhängende soziale Praktiken und kulturelle Prozesse an den Schnittstellen von Gesellschaft, Wissenschaft und Technik zu analysieren und zu verstehen, ist es notwendig, passende theoretische Zugänge und Konzepte zu generieren sowie empirische Befunde zu sammeln (z. B. Fischer 2007; Pfaffenberger 1992). Wie Robert Adams (1996: xiii) festhält, erlaubt gerade die Anthropologie als wissenschaftliche Disziplin eine spezifische, offene Sichtweise auf Technik und Technologie, die wesentliche Vorzüge hat. Erstens vermeidet sie eine Reduktion auf simple Regularitäten und messbare Quantitäten im Verstehen komplexer soziotechnischer Interaktionen. Weiters werden integrative und kontextbezogene Zugänge betont, um soziotechnischen Wandel und soziotechnische Kontinuität zu untersuchen. Und drittens erlaubt der Fokus auf Diversität scheinbar allgemein akzeptierte Kategorisierungen und Beschreibungen von soziokulturellen Phänomenen kritisch zu hinterfragen.

So setzt beispielsweise Bryan Pfaffenberger (1988b: 244) den beiden Extrempositionen des “technologischen Somnambulismus”, die keinen kausalen Zusammenhang zwischen Technologie, Gesellschaft und Kultur erkennen will, und des “technologischen Determinismus”, die Technologie als die alles bestimmende gesellschaftliche Antriebskraft versteht, das Konzept der “humanisierten Natur” entgegen, das Technologie als soziokulturelles Konstrukt versteht, das der Mensch aus seiner ihn umgebenden Natur gestaltet. Dieses Technologieverständnis versucht deterministische Zugänge ebenso zu vermeiden wie die damit verbundene Fetischisierung von Technologie (Budka 2013). Technologie als “humanisierte Natur” ist laut Pfaffenberger (1988b) ein fundamental soziales – oder angelehnt an Marcel Mauss (1989) ein “totales” – Phänomen, das das Materielle, das Soziale und das Symbolische in einem assoziativen Netz kombiniert.

Die Überzeugung, dass technische und gesellschaftliche Phänomene nicht getrennt voneinander zu untersuchen und zu verstehen sind, ist also grundlegend für die Anthropologie wie auch für die Wissenschafts- und Technikforschung sowie die Techniksoziologie (z. B. Bijker/Law 1992; Degele 2002). Aufgrund der Komplexität der Thematik ist es auch schwierig, eine allgemein gültige Definition von Technik bzw. Technologie zu finden. So meint etwa François Sigaut (1997: 422), dass sich letztlich viele Bemühungen, Technologie zu definieren, als widersprüchlich und damit als nutzlos herausstellen. Und Tim Ingold (2000: 296f.) konstatiert grundlegende Unterschiede in den Versuchen, Technologie zu definieren, die vorrangig davon abhängig sind, wie umfassend diese Definitionen angelegt werden und wie das Verhältnis zwischen Technologie und Wissenschaft interpretiert wird.

Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 1

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In dieser Serie von Blogeinträgen werde ich in den kommenden Wochen die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”, verdeutlichen. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Digitale Technik und Technologien haben das Menschsein verändert, und Menschen gestalten und verändern laufend Technik und Technologien. Diese Serie von Blogeinträgen zeigt, wie die Kultur- und Sozialanthropologie, als Wissenschaft vom sozialen und kulturellen Menschen, den wissenschaftstheoretischen Zugang sowie die Methodenwahl mitgestaltet, um diese komplexe Beziehung zu erfassen, zu beschreiben und letztlich zu verstehen. Dabei wird auch sie von Entwicklungs- und Veränderungsprozessen geprägt, die als soziotechnisch – im Sinne der engen Verknüpfung zwischen dem Sozialen und dem Technischen, zwischen Gesellschaft, Technik und Technologie – bezeichnet werden können.

So ist die Kultur- und Sozialanthropologie längst nicht mehr nur die Wissenschaft von “einfachen außereuropäischen Kulturen”.1 Seit Jahrzehnten forschen ihre VertreterInnen, zumeist vergleichend, zu komplexen Phänomenen, Prozessen und Veränderungen in unterschiedlichsten menschlichen Gesellschaften. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten AnthropologInnen begannen, sich mit technischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Praktiken in Europa und den USA auseinander zu setzen (z. B. Fischer 1999, 2007; Pfaffenberger 1988b, 1992).

So kamen schrittweise digitale Informations-, Kommunikations- und Medientechnologien und mit diesen verbundene Prozesse und Praktiken in den Fokus anthropologischer Forschung: von der allgemeinen kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutung digitaler Technologieentwicklung und deren Relevanz für das Menschsein und die Disziplin der Anthropologie (z. B. Dourish/Bell 2011; Escobar 1994; Hakken 1999; Houtman/Zeitlyn 1996; Miller 2018; Miller/Horst 2012; Uimonen 2015; Whitehead/Wesch 2012a) bis hin zur Untersuchung von spezifischen Zusammenhängen zwischen digitalen Technologien und soziokulturellen Phänomenen, wie Konflikt (Bräuchler 2005) und Ethnizität (Zurawski 2000) im Internet, Veränderungen der Arbeitswelt (Kjaerulff 2010) und menschlicher Kommunikationsweisen (Schröder/Voell 2002) oder die kulturelle Bedeutung Freier Software (Kelty 2008).

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Digital and Online Ethnography – A Selection of Resources

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Below you find a selection of resources on digital and online ethnography – with a slight focus on anthropological research – compiled by Philipp Budka.
To add and share your resources and/or references, please use this collaborative document.

Literature:

Baym, N. (2010). Personal connections in the digital age. Cambridge: Polity.

Bell, D., & Kennedy, B. M. (Eds.). (2000) The Cybercultures Reader. London: Routledge.

Boellstorff, T. (2016). For whom the ontology turns: Theorizing the digital real. Current Anthropology, 57(4), 387–407. https://doi.org/10.1086/687362

Boellstorff, T. (2013). Digital anthropology. In Oxford Bibliographies. https://www.oxfordbibliographies.com/view/document/obo-9780199766567/obo-9780199766567-0087.xml

Boellstorff, T. (2008). Coming of age in Second Life: An anthropologist explores the virtually human. Princeton: Princeton University Press.

Boellstorff, et al. (2012). Ethnography and virtual worlds: A handbook of method. Princeton: Princeton University Press.

Bräuchler, B. (2013). Cyberidentities at war: The Moluccan conflict on the Internet. New York: Berghahn Books.

Buchanan, E. A. (2004). Readings in virtual research ethics: Issues and controversies. Hershey, PA: Information Science Pub.

Budka, P. (2018). [Review of the book Digital environments: Ethnographic perspectives across global online and offline spaces, by U. U. Frömming, S. Köhn, S. Fox & M. Terry]. Anthropos, 113(1), 303-304. http://www.philbu.net/blog/review-digital-environments-ethnographic-perspectives-across-global-online-and-offline-spaces/

Budka, P. (2015). [Review of the book Cyberidentities at war: The Moluccan conflict on the Internet, by B. Bräuchler]. American Anthropologist, 117(1), 179-180. https://doi.org/10.1111/aman.12197 http://www.philbu.net/blog/review-cyberidentities-at-war-the-moluccan-conflict-on-the-internet/

Budka, P., & Kremser, M. (2004). CyberAnthropology – anthropology of cyberculture. In S. Khittel, B. Plankensteiner & M. Six-Hohenbalken (Eds.), Contemporary issues in socio-cultural anthropology: Perspectives and research activities from Austria (pp. 213-226). Vienna: Loecker Verlag.
http://www.philbu.net/budka_kremser_cyberanthro.pdf

Coleman, G. E. (2010). Ethnographic approaches to digital media. Annual Review of Anthropology 39(1), 487-505. https://doi.org/10.1146/annurev.anthro.012809.104945

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Seminar: Digital Technologies as Material Culture 2020

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In this MA seminar at the Department of Social and Cultural Anthropology, University of Vienna, we explore digital media technologies from an anthropological/ethnographic perspective in the context of material culture.
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This course gives an overview about material culture as a conceptual and practical approach to understand digital technologies. In doing so, it focuses on the everyday incorporation and utilization of digital technologies.

Mobile networked digital media technologies, such as smart phones, as well as social media platforms and services, such as Facebook or Instagram, have become important (visual) communication and (re)presentation tools. For social and cultural anthropology it is of particular interest how these digital devices and technologies are integrated and embedded into everyday life, by considering changing sociocultural, political and economic contexts. This course focuses in particular on the material aspects of digital technologies and how they are utilized on a day-to-day basis. Questions about the relevance of a material culture approach for (the understanding of) technology appropriation – on a theoretical and practical level – as well as questions about (culturally) different usage practices are discussed. How does the understanding and conceptualization of digital technology as material culture contribute to the exploration and analyses of contemporary and emerging sociocultural practices and processes in increasingly digital societies?

By working on different online case studies, students get a comparative overview about material culture in a digital context.

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CfP: Engaged media anthropology in the digital age

CfP: Engaged media anthropology in the digital age published on No Comments on CfP: Engaged media anthropology in the digital age

The EASA Media Anthropology Network is organizing an official network panel at the European Association of Social Anthropologists (EASA) 2020 conference in Lisbon (21-24 July). Find the call for papers below and online:
https://nomadit.co.uk/conference/easa2020/p/8591

For more general information about the call and the conference, navigate to:
https://easaonline.org/conferences/easa2020/cfp
https://easaonline.org/conferences/easa2020/

The call closes on 20 January 2020.

Engaged media anthropology in the digital age

Organizers
Philipp Budka (University of Vienna) and Sahana Udupa (LMU Munich)

Abstract
The relative ease of access and potential disruptive features of digital media have opened up new opportunities for media anthropologists to extend their field relations into durable public engagement. These possibilities have encouraged anthropologists to collaboratively design various public engagement initiatives to harness digital media technologies and infrastructures for social justice goals including health, education, environmental protection, gender parity and political inclusion. Such direct interventions have gone hand in hand with critical perspectives on how “the digital” has played a key role in enabling political cultures of indignity and injustice – from online extreme speech to digitally enabled surveillance and algorithmic bias. This panel will foreground these two distinct, yet interrelated, aspects of engaged media anthropology: community projects that involve direct participation of anthropologists in designing digital platforms and applications, and in supporting local forms of media/digital activism; and studies that envision an inclusive future through public intervention strategies of critique and discursive resistance. A key question that drives this panel is whether the latest examples of engaged media anthropology that are enabled by digital technologies and infrastructures have signaled a break from the imperial logic of upliftment and betterment as a means to consolidate colonial power or whether enduring injustices are questioned through new means of collaboration and dialogue. What are the promises and limitations of engaged media anthropology in the digital age?

Lecture/Seminar: Ethnography and Digital Media 2019

Lecture/Seminar: Ethnography and Digital Media 2019 published on No Comments on Lecture/Seminar: Ethnography and Digital Media 2019

In this lecture/seminar at the Department of Social and Cultural Anthropology, we discuss how ethnography contributes to the exploration, description and understanding of digitally mediated processes and practices (in German).

In dieser Lehrveranstaltung erhalten Studierende einen Einblick in die Ethnographie digitaler Medien. Dabei werden sowohl theoretische Zugänge und Konzepte als auch praxisnahen Anwendungs- und Erfahrungswerte vermittelt.

Digitale Medien – wie Internet, Social Media und Smartphones – ermöglichen neue Formen medialer Kommunikation und Repräsentation, die in Zusammenhang mit unterschiedlichen soziokulturellen, politischen und ökonomischen Faktoren und Dimensionen stehen. Diese Medientechnologien überbrücken nicht nur Zeit und Raum, sie gestalten diese neu. Sie ermöglichen die Vernetzung und Mobilisierung von Menschen und die Konstruktion vielfältiger Formen von individueller und kollektiver Identität. Welche theoretischen und methodologischen Zugänge sind hilfreich, um neue digitale Medientechnologien und damit zusammenhängende Praktiken und Sozialitäten zu beschreiben und zu analysieren? Können wir auf das “klassische” methodische Repertoire der Kultur- und Sozialanthropologie zurückgreifen oder benötigt es neue digitale Methoden und Techniken? Welche Bedeutung haben etwa Datensicherung und die Archivierung von digitalen Artefakten? Und welche ethischen Aspekte in der Digitalen Ethnographie gilt es zu beachten?
Studierende lernen anhand von konkreten Fallbeispielen, ausgewählte theoretische und methodologische Zugänge kennen. Sie gewinnen so einen Überblick über die Diversität digitaler Phänomene, Prozesse und Praktiken sowie deren ethnographische Beschreibung und Untersuchung.

Literatur (Auswahl)

Boellstorff, T., Nardi, B., Pearce, C., & Taylor, T. L. (2012). Ethnography and virtual worlds: A handbook of method. Princeton: Princeton University Press.

Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press.

Hakken, D. (1999). Cyborgs@Cyberspace: An ethnographer looks to the future. London: Routledge.

Hjorth, L, Horst, H., Galloway, A., & Bell, G. (2016). The Routledge Companion to digital ethnography. New York: Routledge.

Miller, D., & Slater, D. (2002). Ethnography and the extreme Internet. In T. H. Eriksen (Ed.), Globalisation: Studies in anthropology (pp. 39-57). London: Pluto Press.

Pink, S., Horst, H., Postill, J., Hjorth, L., Lewis, T., & Tacchi, J. (2016). Digital ethnography: Principles and practice. Thousand Oaks, CA: Sage.

Postill, J., & Pink, S. (2012). Social media ethnography: The digital researcher in a messy web. Media International Australia, 145(1), 123-134.

More info: https://ufind.univie.ac.at/en/course.html?lv=240033&semester=2019W

Presentation: MyKnet.org: The cultural history & social life of an indigenous web-based environment

Presentation: MyKnet.org: The cultural history & social life of an indigenous web-based environment published on No Comments on Presentation: MyKnet.org: The cultural history & social life of an indigenous web-based environment

Budka, P. (2019). MyKnet.org: The cultural history and social life of an indigenous web-based environment. Paper at “The Web That Was: Archives, Traces, Reflections” Conference (RESAW19), Amsterdam, Netherlands: University of Amsterdam, 21 June. Presentation (PDF)

Ethnographic Vignette

In the summer of 2006, during my first field trip to Northwestern Ontario, I visited the Frenchman’s Head community of Lac Seul First Nation which is one of the region’s few non-remote indigenous communities that can be reached by car and by boat. In the Band Office, the community’s largest administrative building, I was introduced to 16 year old Candice, a well known MyKnet.org user. She told me that she did set up her first MyKnet.org page a couple of years ago to stay in touch with friends and family and to let people know about her life. To communicate with friends and family members, she added a c-box to her homepage where people could leave messages.

As I found out later, almost everyone in the Band Office had a MyKnet.org homepage. Even though some didn’t know how to work with their websites. They needed the help of young, web-savvy colleagues, friends and family members. Candice introduced me to an older lady who told me that she had to register for a new MyKnet.org page only two weeks ago because her original page was registered under her now divorced husband’s name. And since she didn’t want to be constantly reminded of this, she needed a new homepage. KO-KNET, the First Nations internet organization that has been managing the MyKnet.org homepage service, only approves registrations with real, locally known, First Nation names that are then displayed in the URL of the page.

Candice helped her setting up the page, finding and applying the right layout and updating the content. As she told me later, she was regularly reminding other employees at the office to keep their respective homepages up to date. She also told me that she has started to use other, commercial website providers, such as Piczo (2002-2012). They were easier to use than MyKnet.org and provided more web space and technical features and possibilities.

Seminar: Media Activism

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For the MA Program “Visual and Media Anthropology” at the Free University Berlin, I am organizing a newly developed seminar on media activism.

Course Description

Activism with/in/through media can be broadly understood as forms of technology mediated activism that intend to spark, create and/or support social and political change. So change (and therefore continuity) is at the heart of media activism, as, for instance, Kidd and Rodriguez (2009: 1) note: “Grassroots media have grown from a set of small and isolated experiments to a complex of networks of participatory communications that are integral to local, national, and transnational projects of social change”. Since media activism is related to a diversity of phenomena – such as power relationships, conflict or globalization – as well as to questions about the conception of time and space, organizational structures, collective identities and different forms of sociality, it has become a broad, interdisciplinary research field. This course gives an overview of media activism from a predominantly anthropological and ethnographic perspective.

When engaging with media activism, a variety of contexts, theoretical conceptualizations and methodological approaches have to be considered. In this course, students learn about these aspects by reviewing relevant literature and by discussing different forms and examples of media activism and related questions, issues and problems:

  • How can we contextualize media activism and related practices in anthropology?
  • What historical developments can we identify? And what does this tell us about contemporary activist processes and practices?
  • What is the role of (sociocultural and technological) change, politics, power, globalization and (de)colonization in an anthropological engagement with media activism?
  • How can we ethnographically describe and analyze media activist processes and practices? What are the possibilities and challenges?
  • How can we understand media activism in digital times and in the age of social media? What has changed?
  • What does it mean to interpret and conceptualize media activism as (a form or a part of) cultural activism?

Reference

Kidd, D., & Rodriguez, C. (2009). Introduction. In C. Rodriguez, D. Kidd, & L. Stein (Eds.), Making our media: Global initiatives toward a democratic public sphere, Volume 1: Creating new communication spaces (pp. 1-22). New York: Hampton Press.

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Book: Ritualisierung – Mediatisierung – Performance

Book: Ritualisierung – Mediatisierung – Performance published on No Comments on Book: Ritualisierung – Mediatisierung – Performance

Luger, M., Graf, F., & Budka, P. (Eds.). (2019). Ritualisierung – Mediatisierung – Performance. (Ritualization – Mediatization – Performance). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press.

Abstract
Ritualisierung, Mediatisierung und Performance dienen als konzeptionelle Hilfsmittel, um Veränderungen und Kontinuitäten im Alltagsleben sozialer Akteurinnen und Akteure sowie in spezifischen Kontexten zu situieren. Dieser Band zeigt anhand konkreter ethnographischer Beispiele, dass rituelle, mediale und performative Prozesse und Praktiken idealerweise gemeinsam, in ihrer Relationalität zueinander betrachtet werden. Neben einem Schwerpunkt auf Transformation enthält der Band Beiträge zu ausgewählten Aspekten der Theorie, Methode und Geschichte der Kultur- und Sozialanthropologie und zu einer Ethnographie und Kulturgeschichte der Karibik, die sozialen Status, religiöse Praxis und Erinnerung behandeln sowie Texte, die Verbindungen zwischen politischen, medialen und kulturellen Sphären diskutieren.

Ritualization, mediatization and performance are conceptual tools to situate sociocultural change and continuity in everyday life and in specific contexts. By building on ethnographic case studies, this volume demonstrates that ritual, media and performative processes and practices are best explored in relation to each other. In addition to a general focus on transformation, this book includes contributions on selected aspects of the theory, methodology and history of social and cultural anthropology. Chapters about the history and ethnography of the Caribbean that discuss social status, religious practices and cultural remembrance, as well as texts that explore the connections between political, media and cultural spheres complement the volume.

Inhaltsverzeichnis
Martin Luger / Philipp Budka / Franz Graf
Kultur- und sozialanthropologische Perspektiven auf Ritualisierung, Mediatisierung und Performance. Eine Einleitung
Marion Linska
Selbstfürsorge im Feld. Überlegungen aus existenzanalytischer Perspektive
Yvonne Schaffler / Bernd Brabec de Mori
»Cuando el misterio insiste« – »Wenn sich der Geist Gehör verschafft«. Die Kunst der Überzeugung im dominikanischen Vodou
Stephanie Schmiderer
Präsenz der Gottheiten. Zum Verständnis transformativer Performance im haitianischen Vodou und seiner Diaspora
Elke Mader
Rund um die Palme. Rituelle Prozesse, indigene Politik und Medien in Ecuador
Birgit Bräuchler
Praxeologische Überlegungen zur Mediatisierungsdebatte. Eine ethnologische Perspektive
Philipp Budka
Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten
Manfred Kremser
»Shango is a Powerful Fellow!«. Repräsentation spiritueller Macht in afrokaribischen Kulturen
Adelheid Pichler
Artefakte und Erinnerung. Ein Beitrag zur Interpretation materieller Kultur in den afrokubanischen Religionen
Werner Zips
»She’s Royal« – »Queenmothers« in Ghana. Ein afrikanisches Rollenmodell für Jamaika
Manfred Kremser / Franz Graf / Gertraud Seiser
»Ein Leben scannen«. Fragmentarische Retrospektive von und auf Manfred Kremser