Review: Europäisch-ethnologisches Forschen. Neue Methoden und Konzepte.

Budka, P. 2014. Review of Hess, S., Moser, J. & M. Schwertl (eds.). Europäisch-ethnologisches Forschen. Neue Methoden und Konzepte. Berlin: Reimer Verlag, 2013; 332 pp. Anthropos, 109.2014/2: 694-696.

Mit dem Sammelband „Europäisch-ethnologisches Forschen. Neue Methoden und Konzepte.“ ist es den HerausgeberInnen und AutorInnen gelungen eine wichtige, und wie ich finde längst überfällige, Sammlung rezenter Methoden und theoretischer Konzepte nicht nur für die Europäische Ethnologie/Volkskunde zusammenzustellen. Auch wenn der Titel ein Naheverhältnis des Bandes und seiner Inhalte zur Europäischen Ethnologie nahelegt, ist dieses Werk durchaus auch VertreterInnen anderer kultur- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen – von Kultur- und/oder Sozialanthropologie bis Soziologie – empfohlen. Insgesamt 17 AutorInnen geben in 12 Beiträgen einen einführenden Überblick zu methodischen und methodologischen Überlegungen sowie Konzepten, die in den letzten Jahren im einschlägigen wissenschaftlichen Fachdiskurs massiv an Bedeutung gewonnen haben: von Ethnographie und Feldtheorien über Akteur-Netzwerk-Theorie bis hin zur Analyse visueller und materieller Kultur. Im Folgenden will ich mich einer subjektiven Auswahl an Buchbeiträgen widmen, um so zu versuchen die Bandbreite dieses Werkes und seiner Inhalte darzulegen.

Sabine Hess und Maria Schwertl behandeln in ihrem einführenden Beitrag zunächst genealogisch die Methodenentwicklung und Methodendebatte in der Europäischen Ethnologie/Volkskunde. Dabei wird einerseits die zentrale Bedeutung des empirisch-ethnographische Forschens als das entscheidende Spezifikum des Faches dargelegt. Andererseits bieten die Autorinnen einen Ausblick in die Zukunft einer Anthropologie des Zeitgenössischen oder des Gegenwärtigen und die damit verbundene Notwendigkeit methodische Probleme und Herausforderungen, wie die Erweiterung und Dynamisierung des Feldkonzeptes, zu reflektieren und entsprechend neue Konzepte zu entwickeln und anzuwenden. So vertreten sie den programmatischen Anspruch in „Assemblagen radikal konstruktivistisch zu forschen“, der eine Erweiterung der räumlichen Dimension in der ethnographischen Analyse von komplexen, sozialen Verbindungen und Netzwerken beinhaltet (pp. 33).

Gisela Welz setzt die Überlegungen des einführenden Beitrages fort und beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit neuen Formen der Zeitorganisation in der ethnographischen Feldforschung. Sie stellt einen gegenwärtigen Trend zur „Temporalisierung“ von Feldforschung – also die zeitlich verteilte oder diskontinuierliche Feldforschung – nicht nur in der Europäischen Ethnologie fest und sieht diese in der Veränderung wissenschaftlicher und universitärer Ausbildungspraktiken ebenso begründet wie in der Reduktion von Transportkosten sowie der Zunahme von elektronischen und digitalen Kommunikationsmöglichkeiten. Welz betont darüber hinaus, dass auch die „Beschaffenheit der untersuchten Gesellschaften oder sozialen Situationen“ sequenzielle und zeitlich gestaffelte Feldforschung begünstigen oder sogar erfordern (pp. 51). Die Temporalisierung von Feldforschung in der Europäischen Ethnologie und anderen ethnographisch arbeitenden Wissenschaften reagiert so lediglich auf die Temporalisierung des sozialer Alltagspraktiken der Akteure, die es zu untersuchen gilt.

In einem weiteren Beitrag befasst sich Michi Knecht mit den Potenzialen und Zugängen der Ethnographie und der „Praxeographie“ in der Wissenschafts-, Medizin- und Technikforschung. Das Konzept der „Praxeographie“ meint den ethnographischen Zugang im Kontext praxistheoretischer Überlegungen unter besonderer Berücksichtigung von Aktionen und Interaktionen von Akteuren und Objekten, wie etwa in der Akteur-Netzwerk-Theorie. Beide Zugänge erscheinen ihr sehr gut geeignet komplexe Systeme zu dokumentieren und zu analysieren. So ermöglichen diese Wissen und Lernprozesse als „verkörperte, relationale und kontextuelle Praxen“ zu verstehen, das komplexe Zusammenwirken von, beispielsweise, Kultur und Natur zu analysieren und Fragen nach Materialität, Körperlichkeit und Infrastrukturen in den Fokus zu rücken (pp. 81). Vorrangiges Ziel in der Anwendung von ethnographischen und „praxeographischen“ Zugängen in Wissenschafts- und Technikforschung ist es Menschen und Artefakten gleichermaßen Aufmerksamkeit zu widmen, um so den Anthropozentrismus klassischer Ethnographien zu überwinden. Ethnographie ist hierbei nicht nur als Methode zu verstehen, sondern auch als epistemologischer und ontologischer Zugang, der ethische und programmatische Dimensionen beinhaltet und der sich im Forschungsprozess ständig neu ausbalanciert. Die sich beständig verbreiternde Auseinandersetzung der ethnographischen Fächern mit ihrer eigenen Praxis resultiert auch in der Formulierung ethnographischer Gütekriterien, die für eine substanzielle Debatte über Ethnographie und „Praxeographie“ in der Analyse komplexer Phänomene wichtig sind.

Walter Leimgruber, Silke Andris und Christine Bischoff geben einen Einblick in die Visuelle Anthropologie, deren Geschichte und Entwicklung, und stellen dann Methoden visueller Anthropologie anhand der beiden Medien Foto und Film vor. Mit Hilfe zweier Fallbeispiele werden zunächst methodologische Schritte in der ethnographischen Bildanalyse behandelt, um dann die Probleme und Möglichkeiten bei Dreharbeiten zu einem ethnographischen Film zu diskutieren. Diese zwei Fälle stehen exemplarisch für die zwei dominierenden Richtungen in der Visuellen Anthropologie: das Feld der Medienproduktion und den Prozess der Herstellung von eigenen (visuellen) Material sowie den Bereich der Medienanalyse, vorwiegend von fremden (visuellen) Material. Durch den „digital turn“ kommt es nun zu einer Vermischung von Medien – Stichworte „multimedial“ und „multisensorisch“ – und damit verbunden zur Notwendigkeit, „die Forschung über das Bild hinaus auszuweiten“ (pp. 273). Diese Entwicklung stellt die Visuelle Anthropologie und ihre Methoden zwar vor neue Herausforderungen, grundlegende Elemente der visuellen Analyse können aber auch weiterhin angewendet werden. Visuelle Methoden sollen so auch zukünftig nicht nur für die anthropologische Wissensbestätigung oder zur Illustration genutzt werden, sondern vor allem zur Wissensgenerierung.

Den Schlusspunkt in diesem Sammelband setzt ein E-Mail-Interview, das Sabine Hess und Maria Schwertl mit George E. Marcus führten. Dabei reflektiert der renommierte Kulturanthropologe, der besonders für seine Beiträge in der ethnographischen Repräsentationsdebatte sowie der Diskussion um neue Feldbegriffe und Feldforschungsparadigmen bekannt ist, einerseits über von ihm mitgeprägte Begrifflichkeiten wie „Forschungsdesign“, „Labor“ oder „kollaboratives Forschen“. Andererseits erläutert er auch kurz die Bedeutung von theoretischen Zugängen, wie Assemblage oder Akteur-Netzwerk-Theorie, Konzepte, die in vorliegendem Sammelband häufig aufgegriffen wurden, für die ethnographischen und anthropologischen Wissenschaften. Wie EthnographInnen in dynamischen und komplexen Feldern, wie beispielsweise Wissensökonomien und deren politische Dimensionen, operieren und diese in ihr Feldforschungsdesign integrieren, bezeichnet Marcus als größte Herausforderung für die zeitgenössische anthropologische Forschung. Das Beschreiten neuer methodologischer und epistemologischer Wege sowie das Besinnen auf ethnographische Traditionen schließen sich hier nicht aus.

Die von den HerausgeberInnen im Vorwort erhobenen Ansprüche mittels dieses Bandes sich verändernde Fragestellungen und Gegenstandsbezüge – nicht nur in der Europäischen Ethnologie – zu thematisieren, das Repertoire an Methodenliteratur zu erweitern sowie ein Toolkit für den Methodenunterricht zur Verfügung zu stellen, kann als durchaus gelungen bewertet werden. Insgesamt ein empfehlenswertes Buch, das den Bestand an noch immer eher dünn gesäter ethnologischer/kultur- und/oder sozialanthropologischer Methodenliteratur mit Sicherheit bereichert.


Paper: Indigenous futures and digital infrastructures

Budka, P. 2014. Indigenous futures and digital infrastructures: How First Nation communities connect themselves in Northwestern Ontario. Paper at "13th Biennial Conference of the European Association of Social Anthropologists (EASA)", Tallinn, Estonia: Tallinn University, 31 July - 3 August.

Introduction

“Now […] if the Aboriginal People could […], retain their tradition, take the technology and go that way in the future. That would be good.”
(Community Development Coordinator and Educational Director, Bearskin Lake First Nation, 2007)

For my first field trip to Northwestern Ontario in 2006, I decided to take the train from Toronto to Sioux Lookout instead of flying. This ride with “the Canadian”, which connects Toronto and Vancouver, took me about 26 hours and demonstrated very vividly the vastness of Ontario. At some point, I could not believe that I have been spending more than an entire day on a train without even leaving the province. But finally I arrived at Sioux Lookout, Northwestern Ontario's transportation hub, where I would be working with the Keewaytinook Okimakanak Kuhkenah Network (KO-KNET), one of the world's leading indigenous internet organization.

After my first day at the office, KO-KNET's coordinator told me that he wants to show me something. So we jumped in his car and drove to the outskirts of the town where he stopped in front of a big satellite dish. Only through this dish, he explained, the remote First Nation communities in the North can be connected to the internet. I was pretty impressed, but had no concrete idea how this really works. So while the satellite dish was physically visible to me, the underlying infrastructure was not. During my stay, I learned more about the technical aspects of internet networks and connectivity, about hubs, switches and cables, and about towers and loops. And I learned that internet via satellite might look impressive, but is actually the last resort and the most expensive way to establish internet connectivity. I also began to realize how important organizational partnerships and collaborative projects are and what important role social relationships across institutional boundaries play. In short: I learned about the infrastructure which is actually necessary to finance, provide and maintain internet access and use. Infrastructure, KO-KNET's coordinator told me “really defines what you can do and what you can't do” (KO-KNET coordinator 2007). And this has fundamental consequences for the futures of the region's indigenous people.

Within this paper I am going to discuss digital infrastructures and technologies in the geographical and sociocultural contexts of indigenous Northwestern Ontario. By introducing the case of KO-KNET I analyse (1) how internet infrastructures act as facilitators of social relationships and (2) how First Nations people actively make their (digital) futures by taking control over the creation, distribution and uses of information and communication technologies (ICT), such as broadband internet. This study is part of a digital media anthropology project that was conducted for five years, including ethnographic fieldwork in Northwestern Ontario and in online environments.

In media and visual anthropology, anthropologists are, among other things of course, interested in how indigenous, disfranchised and marginalized people have started to talk back to structures of power that neglect their political, cultural and economic needs and interests by producing and distributing their own media technologies (e.g., Ginsburg 1991, 2002b, Michaels 1994, Prins 2002, Turner 1992, 2002). To “underscore the sense of both political agency and cultural intervention that people bring to these efforts”, Faye Ginsburg (2002a: 8, 1997) refers to these media practices as “cultural activism”. “Indigenized” media technologies are providing indigenous people with possibilities to make their voices heard, to network and connect, to distribute information, to revitalize culture and language, and to become politically engaged and active (Ginsburg 2002a, 2002b). Particularly digital media technologies offer a lot of these possibilities to marginalized people (e.g., Landzelius 2006a).

Full Paper


Article: Social media in remote First Nation communities

Molyneaux, H., O'Donnell, S., Kakekaspan, C., Walmark, B., Budka, P., Gibson, K. 2014. Social media in remote First Nation communities. Canadian Journal of Communication, 39(2): 275-288.

Abstract

Community resilience in First Nations includes ties to people both inside and outside the community, intergenerational communication, the sharing of stories, and family and community connectedness. This study, based on a survey of Internet users in the Sioux Lookout region of Northwestern Ontario, explores the link between social networking sites and community resilience. The region is home to some of the most isolated First Nation (indigenous)communities in Canada. Cultural and familial links between these communities are strong, yet until recent use of the Internet, maintaining regular communications to strengthen cultural ties was challenging. This study examines the links between travel and communication online, the ways in which social media are used to preserve culture and maintain communication, and the implications of social networking for community resilience.

La résilience communautaire chez les Premières Nations se base sur les rapports à autrui tant au sein de la communauté qu’au-delà de celle-ci, la communication intergénérationnelle, le partage d’histoires et la solidarité familiale et communautaire. Cet article se fonde sur un sondage d’utilisateurs d’Internet dans la région Sioux Lookout du Nord-ouest de l’Ontario pour explorer les rapports entre les sites de réseautage social et la résilience communautaire. La région Sioux Lookout compte certaines des communautés autochtones les plus isolées au Canada. Les affinités culturelles et familiales entre ces communautés sont fortes, et pourtant, avant l’utilisation récente d’Internet, le maintien de communications régulières pour resserrer les liens culturels n’était pas facile. Cette étude examine les rapports entre voyages et communication en ligne, les manières dont on utilise les médias sociaux pour préserver la culture et assurer les communications, et l’impact du réseautage social sur la résilience communautaire.


Journal "Cultural Anthropology" goes open access

The Society for Cultural Anthropology, in March 2013, announced plans for Cultural Anthropology to become an open access journal. Starting with its February 2014 issue (volume 29, number 1), new issues of the journal became freely available online through the CA website, and plans are in the works to make back issues available as well.

more info at: http://www.culanth.org/articles/open_access
first open access issue: http://www.culanth.org/issues/162-29-1-february-2014


Notes: open access & anthropology

Open Access (OA): freier Zugang zu wiss. Material
Goldener / Grüner Weg
alternatives Publikations- & Geschäftsmodell
2017-2021: ~50% OA Publikationen (Lewis 2012) http://crl.acrl.org/content/73/5/493

AutorInnen: + Verbreitung
LeserInnen: + Zugang
Bibliotheken: + Ersparnis
Gesellschaft: + Einsicht/Verständnis
http://de.wikipedia.org/wiki/Open_access
http://www.youtube.com/watch?v=L5rVH1KGBCY
http://www.doaj.org/
http://www.fwf.ac.at/de/public_Relations/oai/

HAU-Journal of Ethnographic Theory (seit 2011)
international, peer-reviewed, open-access (CC-Lizenz), online
ethnography as the prime heuristic & in the forefront of anthropology
http://www.haujournal.org

HAU-N.E.T., Network of Ethnographic Theory
international network of research centres & anthropology departments to support journal HAU
alternative to existing subscription models in publishing
http://www.haujournal.org/haunet/


Paper: Von „Cyber Anthropologie“ zu „Digitaler Anthropologie“: kultur- und sozialanthropologische Beiträge zur Erforschung digitaler Medientechnologien.

Budka. P. 2014. Von „Cyber Anthropologie“ zu „Digitaler Anthropologie“: kultur- und sozialanthropologische Beiträge zur Erforschung digitaler Medientechnologien. Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung: „Rituale, Medien, Bewusstsein – in Memoriam Manfred Kremser“, 9. Januar 2014.

Einleitung

Dieser Vortrag wirft einen Blick auf die kultur- und sozialanthropologische Erforschung digitaler Medientechnologien wie Internet, Soziale Online-Netzwerke und mobile Kommunikationstechnologien. Dabei werden die Grundzüge des Forschungsfeldes der „Cyber Anthropologie“ – besonders im Bezug zum Wiener Institut für Kultur- und Sozialanthropologie – ebenso vorgestellt wie die rezente Entwicklung einer „Digitalen Anthropologie“. Die gemeinsame, übergeordnete Frage dieser kultur- und sozialanthropologischen Projekte lautet: „Was bedeutet Menschsein in einer (zunehmend) digitalen Welt?“. Fallbeispiele aus der ethnographischen Forschungspraxis behandeln konkrete Aspekte des „digitalen Menschseins“ und runden die theoretische Diskussion ab.

Medienanthropologie und die technische Mediatisierung von Kommunikation

In der Kultur- und Sozialanthropologie lässt sich die Forschung zu Medientechnologien grundsätzlich als Forschung zu menschlicher Kommunikation, die von Technologien mediatisiert wird, verstehen. Diese Mediatisierung von Kommunikation ist für die Kultur- und Sozialanthropologie besonders hinsichtlich ihrer Einbettung in soziokulturelle und historische Prozesse und Kontexte interessant: „The key questions for the anthropologist are how these technologies operate to mediate human communication, and how such mediation is embedded in broader social and historical processes“ (Peterson 2003: 5).

In der Medienanthropologie geht es um die Mediatisierung von Kommunikation in unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten und unter spezifischen historischen, politischen und ökonomischen Bedingungen.

In der Kultur- und Sozialanthropologie werden Medien nicht auf ihre Inhalte oder Botschaften reduziert. Im Versuch ein möglichst ganzheitliches Bild von Medienphänomenen zu erlangen, werden Kontexte und Bedingungen unter denen Medien produziert, verteilt und genutzt werden ebenso analysiert wie die technischen Aspekte von Medien. Medien beinhalten immer auch Technologien, die die Mediatisierung von Kommunikation erst ermöglichen. Es macht also Sinn nicht nur von Medien sondern von Medientechnologien zu sprechen.

Über Medientechnologien entwickeln Menschen neue Beziehungen zu Zeit und Raum sowie zu Körper und Wahrnehmung. Und diese Verhältnisse verändern sich aufgrund medientechnologischer Entwicklungen permanent. Die „greifbare“ Materialität von Medientechnologien und die damit verbundenen phänomenologischen Erfahrungen sind also wesentlicher Gegenstand medienethnographischer und medienanthropologischer Forschung (vgl. Ginsburg et al. 2002: 21).

Wichtigste methodische Herangehensweise, um Medienphänomene zu erfassen, ist für die Medienanthropologie, wie für die Kultur- und Sozialanthropologie im Allgemeinen, die ethnographische Feldforschung. Diese methodische Strategie zur empirischen Datenerhebung passt sich dabei sowohl dem Feld als auch den soziokulturellen Handlungsräumen der Menschen an (vgl. z.B. Kremser 1998, Marcus 1998) und kann sich also nicht allein auf Inhalte und deren Rezeption beschränken. Sie muss auch die physischen und sensorischen Dimensionen von Medientechnologien miteinbeziehen, weil über diese soziale Beziehungen hergestellt werden können.

Technologie im soziokulturellen Kontext

Seit den 1950er Jahren untersuchen Kultur- und SozialanthropologInnen neue und „moderne“ Technologien und wie diese vor allem in „nicht-westlichen“ Gemeinschaften verwendet und angeeignet werden (vgl. z.B. Beck 2001, Godelier 1971, Pfaffenberger 1992, Sharp 1952). Doch wie unter anderem Arturo Escobar (1994) meint, ist es schwierig diese Forschungsansätze und -befunde auf hochkomplexe technische Umgebungen in „modernen“ Gesellschaften zu übertragen. Aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive bedeutet diese Transferschwierigkeit weder eine Hierarchisierung von soziotechnischen Systemen und damit verbunden von Gesellschaften, noch bedeutet dies eine Abwertung „nicht-moderner“ oder „traditioneller“ soziotechnischer Systeme. All diese Systeme – vom Töpfern in Indien bis zum Programmieren von Software in Kalifornien – sind hochkomplex und heterogen.

Es besteht allerdings dringender Bedarf an theoretischen Zugängen und weiteren empirischen Befunden, die zum Verständnis soziotechnischer Systeme in „modernen“ Gesellschaften beitragen. So befasst sich auch die Kultur- und Sozialanthropologie zunehmend mit soziotechnischen Systemen in zeitgenössischen Gesellschaften (vgl. z.B. Rabinow 2008, Rabinow & Markus 2008) – vor allem auch, weil immer wieder Fragen auftauchen, die scheinbar nur von der Kultur- und Sozialanthropologie beantwortet werden können, etwa nach der soziokulturellen und soziokulturell unterschiedlichen Bedeutung von Technologien (vgl. Pfaffenberger 1988, 1992).

Die Kultur- und Sozialanthropologie versucht zu verstehen, wie Technologie – beispielsweise in Form materieller Kultur oder als soziotechnisches System – (kulturell) konstruiert und (sozial) verwendet, genutzt und angeeignet wird. Ähnliche Ziele verfolgen auch Wissenschaftsforschung, Science and Technology Studies und sozialwissenschaftliche Technikforschung (vgl. z.B. Eglash 2006). Die Entwicklung und der Aufschwung digitaler (Medien)Technologien führen zu einer weiteren Differenzierung dieses Forschungsbereichs und zur Etablierung neuer Schwerpunkte.

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Paper: Football fan communities and identity construction

Budka, P., Jacono, D. 2013. Football fan communities and identity construction: Past and present of "Ultras Rapid" as sociocultural phenomenon. Paper at "Kick It! The Anthropology of European Football" Conference, 25-26 October 2013.

Introduction

Eduardo Archetti (1992: 232) argues that "football is neither a ritual of open rebellion nor the much mentioned opium of the masses. It is a rich, complex, open scenario that has to be taken seriously". Archetti's argument is in line with the most recent research in fan and football fan culture (e.g. Giulianotti & Armstrong 1997, Gray, Sandvoss & Harrington 2007). Because to study fans and fandom means ultimately to study how culture and society works.

In this paper we are going to discuss, within the framework of an anthropology of football, selected aspects of a special category of football fans: the ultras. By analysing the history and some of the sociocultural practices of the largest Austrian ultra group – "Ultras Rapid Block West 1988" – the paper aims to show how individual and collective fan identities are created in everyday life of football fan culture.

"Ultras no fans!" is a slogan that is being found among ultra groups across Europe. Despite this clear "emic" statement of differentiation between "normal" football fans and "ultras", ultras are, at least from a research perspective, basically fans. So we begin our examinations in the phenomenon of "Ultras Rapid" by briefly discussing anthropological and ethnographic research in football and football fans. We then set forth to present selected characteristics of SK Rapid Wien's largest ultra group that is also the oldest still active ultra movement in the German-speaking countries.

The authors themselves are fans of SK Rapid Wien and have been following the club and its fan culture for several decades (e.g. Jacono 2014). Building on ethnographic fieldwork, including participant observation, historical and archival studies, this paper intends to contribute to the anthropological and ethnographic understanding of the sociocultural phenomenon of football fan culture.

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Digital learning material for social & cultural anthropology

Within a project different digital learning materials for the social sciences, particularly at the University of Vienna, were developed. This is a hypermedia learning and teaching document for introductory courses in social and cultural anthropology (in German).

screenshot of digital learning document

"Diese Lernunterlage gibt einen einführenden Überblick zur wissenschaftlichen Disziplin der Kultur- und Sozialanthropologie (KSA) mit besonderem Schwerpunkt auf die Situation und die Arbeit des Instituts für Kultur- und Sozialanthropologie an der Universität Wien. Neben der Frage, womit sich Kultur- und Sozialanthropologie beschäftigt und wie sie sich theoriegeschichtlich entwickelt hat, werden ausgewählte Themenbereiche vorgestellt. Die Lernunterlage richtet sich vor allem an StudienanfängerInnen, kann aber ebenso als Informationsquelle oder Lehr- und Lernmittel für allgemein an der Kultur- und Sozialanthropologie Interessierte dienen."

Link:

http://www.univie.ac.at/sowi-online/esowi/cp/einfpropaedksa/einfpropaedksa-titel.html

 

 


Article: Digitale Medientechnologien aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive

Budka, P. 2013. Digitale Medientechnologien aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive: Überlegungen zu Technologie als materielle Kultur und Fetisch (Digital media technologies from an anthropological perspective: Thoughts on technology as material culture and fetish). Medien und Zeit, 28, 1/2013: 22-34. Online-Version.

Abstract

Dieser Aufsatz blickt auf digitale Medientechnologien aus Perspektive der Kultur- und Sozialanthropologie. In einem wissenschaftstheoretischen und historischen Abriss werden einerseits Eckpunkte in der Entwicklung relevanter Forschungsfelder, wie die Anthropologie und Ethnographie der Medientechnologien, die Digitale Anthropologie sowie die Anthropologie der Cyberkultur behandelt. Andererseits werden zwei Fallbeispiele aus der ethnographischen Forschungspraxis vorgestellt, die digitale Technologien als materielle Kultur verstehen. Technologie als materielle Kultur erlaubt es die Materialität und die Normativität von Technologien ebenso zu fassen wie deren alltägliche Aneignung in wandelnden soziokulturellen, politischen und ökonomischen Kontexten. Der Aufsatz schließt mit einer Diskussion der Fetischisierung von Technologien, deren Bedeutung und Zusammenhänge.


Word cloud on identity, sociality, communality & digital media technologies

Word cloud of the student projects in the seminar "Identity, sociality & communality in times of digital media technologies" at the Department of Social and Cultural Anthropology, University of Vienna.

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    This is Philipp Budka, a social and cultural anthropologist from Vienna, blogging about the anthropology of media and technology, digital anthropology, indigenous internet practices and media, technology enhanced learning and his ethnographic fieldwork.
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