{"id":583,"date":"2014-01-15T13:39:43","date_gmt":"2014-01-15T12:39:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.philbu.net\/blog\/?p=583"},"modified":"2016-12-14T16:33:56","modified_gmt":"2016-12-14T15:33:56","slug":"paper-von-cyber-anthropologie-zu-digitaler-anthropologie-kultur-und-sozialanthropologische-beitrage-zur-erforschung-digitaler-medientechnologien","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/paper-von-cyber-anthropologie-zu-digitaler-anthropologie-kultur-und-sozialanthropologische-beitrage-zur-erforschung-digitaler-medientechnologien\/","title":{"rendered":"Paper: Von \u201eCyber Anthropologie\u201c zu \u201eDigitaler Anthropologie\u201c: kultur- und sozialanthropologische Beitr\u00e4ge zur Erforschung digitaler Medientechnologien."},"content":{"rendered":"<p><strong>Budka. P. 2014. Von \u201eCyber Anthropologie\u201c zu \u201eDigitaler Anthropologie\u201c: kultur- und sozialanthropologische Beitr\u00e4ge zur Erforschung digitaler Medientechnologien. Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung: \u201eRituale, Medien, Bewusstsein \u2013 in Memoriam Manfred Kremser\u201c, 9. Januar 2014.<\/strong><\/p>\n<p><strong>Einleitung<\/strong><\/p>\n<p>Dieser Vortrag wirft einen Blick auf die kultur- und sozialanthropologische Erforschung digitaler Medientechnologien wie Internet, Soziale Online-Netzwerke und mobile Kommunikationstechnologien. Dabei werden die Grundz\u00fcge des Forschungsfeldes der \u201eCyber Anthropologie\u201c \u2013 besonders im Bezug zum Wiener Institut f\u00fcr Kultur- und Sozialanthropologie \u2013 ebenso vorgestellt wie die rezente Entwicklung einer \u201eDigitalen Anthropologie\u201c. Die gemeinsame, \u00fcbergeordnete Frage dieser kultur- und sozialanthropologischen Projekte lautet: \u201eWas bedeutet Menschsein in einer (zunehmend) digitalen Welt?\u201c. Fallbeispiele aus der ethnographischen Forschungspraxis behandeln konkrete Aspekte des \u201edigitalen Menschseins\u201c und runden die theoretische Diskussion ab.<\/p>\n<p>Medienanthropologie und die technische Mediatisierung von Kommunikation<\/p>\n<p>In der Kultur- und Sozialanthropologie l\u00e4sst sich die Forschung zu Medientechnologien grunds\u00e4tzlich als Forschung zu menschlicher Kommunikation, die von Technologien mediatisiert wird, verstehen. Diese Mediatisierung von Kommunikation ist f\u00fcr die Kultur- und Sozialanthropologie besonders hinsichtlich ihrer Einbettung in soziokulturelle und historische Prozesse und Kontexte interessant: \u201eThe key questions for the anthropologist are how these technologies operate to mediate human communication, and how such mediation is embedded in broader social and historical processes\u201c (Peterson 2003: 5).<\/p>\n<p>In der Medienanthropologie geht es um die Mediatisierung von Kommunikation in unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten und unter spezifischen historischen, politischen und \u00f6konomischen Bedingungen.<\/p>\n<p>In der Kultur- und Sozialanthropologie werden Medien nicht auf ihre Inhalte oder Botschaften reduziert. Im Versuch ein m\u00f6glichst ganzheitliches Bild von Medienph\u00e4nomenen zu erlangen, werden Kontexte und Bedingungen unter denen Medien produziert, verteilt und genutzt werden ebenso analysiert wie die technischen Aspekte von Medien. Medien beinhalten immer auch Technologien, die die Mediatisierung von Kommunikation erst erm\u00f6glichen. Es macht also Sinn nicht nur von Medien sondern von Medientechnologien zu sprechen.<\/p>\n<p>\u00dcber Medientechnologien entwickeln Menschen neue Beziehungen zu Zeit und Raum sowie zu K\u00f6rper und Wahrnehmung. Und diese Verh\u00e4ltnisse ver\u00e4ndern sich aufgrund medientechnologischer Entwicklungen permanent. Die \u201egreifbare\u201c Materialit\u00e4t von Medientechnologien und die damit verbundenen ph\u00e4nomenologischen Erfahrungen sind also wesentlicher Gegenstand medienethnographischer und medienanthropologischer Forschung (vgl. Ginsburg et al. 2002: 21).<\/p>\n<p>Wichtigste methodische Herangehensweise, um Medienph\u00e4nomene zu erfassen, ist f\u00fcr die Medienanthropologie, wie f\u00fcr die Kultur- und Sozialanthropologie im Allgemeinen, die ethnographische Feldforschung. Diese methodische Strategie zur empirischen Datenerhebung passt sich dabei sowohl dem Feld als auch den soziokulturellen Handlungsr\u00e4umen der Menschen an (vgl. z.B. Kremser 1998, Marcus 1998) und kann sich also nicht allein auf Inhalte und deren Rezeption beschr\u00e4nken. Sie muss auch die physischen und sensorischen Dimensionen von Medientechnologien miteinbeziehen, weil \u00fcber diese soziale Beziehungen hergestellt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Technologie im soziokulturellen Kontext<\/p>\n<p>Seit den 1950er Jahren untersuchen Kultur- und SozialanthropologInnen neue und \u201emoderne\u201c Technologien und wie diese vor allem in \u201enicht-westlichen\u201c Gemeinschaften verwendet und angeeignet werden (vgl. z.B. Beck 2001, Godelier 1971, Pfaffenberger 1992, Sharp 1952). Doch wie unter anderem Arturo Escobar (1994) meint, ist es schwierig diese Forschungsans\u00e4tze und -befunde auf hochkomplexe technische Umgebungen in \u201emodernen\u201c Gesellschaften zu \u00fcbertragen. Aus kultur- und sozialanthropologischer Perspektive bedeutet diese Transferschwierigkeit weder eine Hierarchisierung von soziotechnischen Systemen und damit verbunden von Gesellschaften, noch bedeutet dies eine Abwertung \u201enicht-moderner\u201c oder \u201etraditioneller\u201c soziotechnischer Systeme. All diese Systeme \u2013 vom T\u00f6pfern in Indien bis zum Programmieren von Software in Kalifornien \u2013 sind hochkomplex und heterogen.<\/p>\n<p>Es besteht allerdings dringender Bedarf an theoretischen Zug\u00e4ngen und weiteren empirischen Befunden, die zum Verst\u00e4ndnis soziotechnischer Systeme in \u201emodernen\u201c Gesellschaften beitragen. So befasst sich auch die Kultur- und Sozialanthropologie zunehmend mit soziotechnischen Systemen in zeitgen\u00f6ssischen Gesellschaften (vgl. z.B. Rabinow 2008, Rabinow &amp; Marcus 2008) \u2013 vor allem auch, weil immer wieder Fragen auftauchen, die scheinbar nur von der Kultur- und Sozialanthropologie beantwortet werden k\u00f6nnen, etwa nach der soziokulturellen und soziokulturell unterschiedlichen Bedeutung von Technologien (vgl. Pfaffenberger 1988, 1992).<\/p>\n<p>Die Kultur- und Sozialanthropologie versucht zu verstehen, wie Technologie \u2013 beispielsweise in Form materieller Kultur oder als soziotechnisches System \u2013 (kulturell) konstruiert und (sozial) verwendet, genutzt und angeeignet wird. \u00c4hnliche Ziele verfolgen auch Wissenschaftsforschung, Science and Technology Studies und sozialwissenschaftliche Technikforschung (vgl. z.B. Eglash 2006). Die Entwicklung und der Aufschwung digitaler (Medien)Technologien f\u00fchren zu einer weiteren Differenzierung dieses Forschungsbereichs und zur Etablierung neuer Schwerpunkte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/budka_cyber_digitale_anthropologie.pdf\">Text (PDF)<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Budka. P. 2014. Von \u201eCyber Anthropologie\u201c zu \u201eDigitaler Anthropologie\u201c: kultur- und sozialanthropologische Beitr\u00e4ge zur Erforschung digitaler Medientechnologien. Vortrag im Rahmen der Ringvorlesung: \u201eRituale, Medien, Bewusstsein \u2013 in Memoriam Manfred Kremser\u201c, 9. Januar 2014. Einleitung Dieser Vortrag wirft einen Blick auf die kultur- und sozialanthropologische Erforschung digitaler Medientechnologien wie Internet, Soziale Online-Netzwerke und mobile Kommunikationstechnologien. 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