{"id":297,"date":"2011-01-30T12:45:16","date_gmt":"2011-01-30T11:45:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.philbu.net\/blog\/?p=297"},"modified":"2011-02-01T08:04:56","modified_gmt":"2011-02-01T07:04:56","slug":"article-menschen-%e2%80%93-nicht-medien-%e2%80%93-revoltieren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/article-menschen-%e2%80%93-nicht-medien-%e2%80%93-revoltieren\/","title":{"rendered":"Article: Menschen \u2013 nicht Medien \u2013 revoltieren"},"content":{"rendered":"<p><strong>von Philipp Budka in<\/strong><strong> \u201cDie Presse\u201d, Print-Ausgabe, 30.01.2011<\/strong><br \/>\nOnline: <a href=\"http:\/\/diepresse.com\/home\/meinung\/debatte\/629547\/Menschen-nicht-Medien-revoltieren\">die Presse.com<\/a><\/p>\n<p>\u201eSocial Media\u201c wie Facebook gelten als neuer Zunder der Revolution.  Interaktive und vernetzte Medien sind aber schon lang wichtige Werkzeuge  sozialpolitischer Bewegungen.<\/p>\n<p>Die Bedeutung von neuen Informations- und Kommunikationstechnologien f\u00fcr  die sozialpolitischen Umbr\u00fcche in Tunesien sowie die Proteste in  \u00c4gypten wurden und werden sowohl in der \u00f6sterreichischen als auch in der  internationalen Medienlandschaft intensiv diskutiert. Kaum ein Beitrag,  der \u201esozialen\u201c Medien wie Facebook oder Twitter nicht wesentlichen  Anteil an der \u201eRevolution\u201c in Tunesien oder den Protesten in \u00c4gypten  einr\u00e4umt.<\/p>\n<p>Bei allem Respekt vor Journalistinnen und Journalisten, die mittels   Handy und Twitter direkt aus Krisenregionen und an staatlich   kontrollierten Massenmedien vorbei berichten, vor einem K\u00fcnstler, der   sich musikalisch via YouTube gegen ein autokratisches System stellt, und   vor einem Piloten, der sich weigert, Mitglieder des unterdr\u00fcckenden   Regimes au\u00dfer Landes zu fliegen und daf\u00fcr zu Recht auf Facebook gefeiert   wird: Nicht vergessen sollten wir etwa bei der tunesischen   \u201eRevolution\u201c, dass dieser politische Umbruch auf der Stra\u00dfe   herbeigef\u00fchrt und entschieden wurde.<\/p>\n<p>Digitale, interaktive und  vernetzte Alternativmedien waren schon  lange vor den sogenannten \u201eSocial  Media\u201c wichtige Werkzeuge von  sozialpolitischen Bewegungen. Prominentes  Beispiel ist der Aufstand der  Zapatistas in Mexiko, der 1994 mittels  Newsgroups, Mailing-Listen und  Webseiten eine internationale  Gegen\u00f6ffentlichkeit erzeugte. Diese  wiederum war bem\u00fcht, Druck auf die  mexikanische Regierung auszu\u00fcben, um  der indigenen Bev\u00f6lkerung endlich  Menschen- und Landrechte  zuzugestehen. R\u00fcckblickend war es aber vor  allem die geschlossen  auftretende mexikanische Zivilbev\u00f6lkerung, die  durch landesweite  M\u00e4rsche, Demonstrationen und Petitionen ma\u00dfgeblich zur  Unterst\u00fctzung  der unterdr\u00fcckten Indigenen Mexikos beitrug.<\/p>\n<p>Neue soziale Online-Medien wurden dann   beispielsweise 2009 im Zug der Wahlen im Iran verwendet, um auf   staatliche Unterdr\u00fcckung und gewaltt\u00e4tige \u00dcbergriffe auf   Regierungskritiker international aufmerksam zu machen. Aber auch hier   war es der sozialpolitische Druck der Stra\u00dfe, der dem iranischen Regime   ernsthafte Probleme bereitete. Internettechnologien wie Twitter,  YouTube  oder Facebook konnten solange als alternative Kommunikations-  und  Informationsmittel eingesetzt werden, bis der Staat, vor allem dank   europ\u00e4ischer Softwaresysteme, in der Lage war, auch diese  Kommunikation  zu kontrollieren, zu zensieren und zu unterdr\u00fccken.  \u00c4hnliches spielt  sich nun auch in \u00c4gypten ab.<\/p>\n<p>Digitale Medientechnologien sind  wunderbar geeignet, um Bilder,  Texte und Augenzeugenberichte eines  politischen Umbruchs schnell an  eine online vernetzte  \u201eWelt\u00f6ffentlichkeit\u201c zu vermitteln. Wie die  aktuellen Beispiele Tunesien  und \u00c4gypten zeigen, finden vor allem  mobile Kommunikationstechnologien  in zunehmendem Ma\u00df f\u00fcr die lokale  Protestorganisation Verwendung.<\/p>\n<p>Dennoch  \u2013 abseits des Hype, auf dem Boden der Tatsachen, sollten  zwei Punkte  besonders betont werden: Erstens hat nicht die gesamte  Weltbev\u00f6lkerung  gleicherma\u00dfen Zugang zu digitalen Technologien  (einerseits aus  finanziell-wirtschaftlichen und infrastrukturellen  Gr\u00fcnden,  andererseits, weil politische Regimes versuchen, diesen Zugang  aktiv zu  kontrollieren). Und zweitens sind es auch im Zeitalter von  Facebook  &amp; Co. die Menschen auf den Stra\u00dfen, die die entscheidenden   Handlungen setzen, um \u201eRevolutionen\u201c herbeizuf\u00fchren oder eben nicht.<\/p>\n<p>Philipp Budka<br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.univie.ac.at\/tmb\/\">Initiative Teilnehmende Medienbeobachtung<\/a><br \/>\n<a href=\"http:\/\/www.univie.ac.at\/ksa\/\">Institut f\u00fcr Kultur- und Sozialanthropologie<\/a> der Universit\u00e4t Wien<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Philipp Budka in \u201cDie Presse\u201d, Print-Ausgabe, 30.01.2011 Online: die Presse.com \u201eSocial Media\u201c wie Facebook gelten als neuer Zunder der Revolution. Interaktive und vernetzte Medien sind aber schon lang wichtige Werkzeuge sozialpolitischer Bewegungen. 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