{"id":1251,"date":"2018-12-27T20:11:48","date_gmt":"2018-12-27T19:11:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.philbu.net\/blog\/?p=1251"},"modified":"2019-06-23T16:27:04","modified_gmt":"2019-06-23T14:27:04","slug":"digitale-anthropologie","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/digitale-anthropologie\/","title":{"rendered":"Digitale Anthropologie"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-background has-very-light-gray-background-color\">Dieser Text wurde 2017 f\u00fcr den <a href=\"https:\/\/blog.univie.ac.at\/digitale-anthropologie\/\">Blog der Universit\u00e4t Wien<\/a> geschrieben; f\u00fcr eine \u00fcberarbeitete und erweiterte Version des Textes siehe <br>Budka, P. 2019. Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. \u00dcber die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In: Luger, M., Graf, F. &amp; Budka, P. (Hg.), <em>Ritualisierung &#8211; Mediatisierung &#8211; Performance<\/em>. G\u00f6ttingen: V&amp;R Unipress\/Vienna University Press, 163-188. <\/p>\n\n\n\n<p>Die Kultur- und Sozialanthropologie ist l\u00e4ngst nicht mehr nur die     Wissenschaft von \u201eeinfachen\u201c, au\u00dfereurop\u00e4ischen Gesellschaften und     Kulturen. Seit Jahrzehnten forscht die Kultur- und Sozialanthropologie     kulturvergleichend zu komplexen Prozessen, Entwicklungen und     Ver\u00e4nderungen in allen menschlichen Gesellschaften und Kulturen. Da war     es nur eine Frage der Zeit bis die ersten Kultur- und     SozialanthropologInnen begannen sich auch mit digitalen Informations-     und Kommunikationstechnologien (IKT), wie dem Internet, Smartphones  oder <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.ucl.ac.uk\/why-we-post\" target=\"_blank\">Sozialen Medien<\/a>, auseinander zu setzen. Die Wiener Kultur- und Sozialanthropologie war dabei \u2013 zumindest im deutschen Sprachraum \u2013 unter den ersten, die sich mit den Verbindungen und Zusammenh\u00e4ngen zwischen digitalen Medientechnologien und soziokulturellen Ph\u00e4nomenbereichen aus spezifisch anthropologischer\/ethnologischer Perspektive befassten.    <\/p>\n\n\n\n<p><strong>In diesem Blogbeitrag gehe ich der Frage nach, welche Rolle die \n Kultur- und Sozialanthropologie in der Untersuchung und in weiterer  \nFolge im Verstehen digitaler Medientechnologien spielt.<\/strong> Andere Aspekte der Digitalisierung dieser Disziplin \u2013 wie z.B. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/csac.anthropology.ac.uk\/\" target=\"_blank\">computerunterst\u00fctzte Forschungsprojekte und -methoden<\/a>, neue <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/savageminds.org\/2014\/11\/22\/where-to-publish-in-oa-anthropology\/\" target=\"_blank\">Publikationsm\u00f6glichkeiten durch Open Access<\/a>, neue Wege der Pr\u00e4sentation und Kommunikation von Forschung mittels <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.livinganthropologically.com\/anthropology-blogs-2018\/\" target=\"_blank\">Blogs<\/a> oder <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/twitter.com\/medianthro\" target=\"_blank\">Sozialer Medien<\/a> sowie neue <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/eksa.univie.ac.at\/\" target=\"_blank\">Methoden und Strategien f\u00fcr Lernen und Lehre<\/a> \u2013 kann ich hier nicht n\u00e4her diskutieren. \n\n<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"415\" height=\"441\" src=\"http:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/esowi_ksa2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1272\" srcset=\"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/esowi_ksa2.jpg 415w, https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/esowi_ksa2-282x300.jpg 282w, https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/esowi_ksa2-136x144.jpg 136w\" sizes=\"auto, (max-width: 415px) 100vw, 415px\" \/><figcaption> Screenshot der offenen und kostenlosen <a href=\"https:\/\/www.univie.ac.at\/sowi-online\/esowi\/cp\/einfpropaedksa\/einfpropaedksa-titel.html\">digitalen Lernunterlage f\u00fcr die Vorlesung \u201eEinf\u00fchrung und Prop\u00e4deutikum Kultur- und Sozialanthropologie\u201c<\/a> an der Universit\u00e4t Wien. <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Digitale Anthropologie oder die Kultur- und Sozialanthropologie des Digitalen <\/h2>\n\n\n\n<p>Die Frage nach der Relevanz und Bedeutung von digitalen  Kommunikationstechnologien im menschlichen Alltagsleben sowie in  unterschiedlichen soziokulturellen Kontexten ist l\u00e4ngst eine  allgegenw\u00e4rtige, wird entsprechend breit diskutiert und l\u00e4sst sich aus  unterschiedlichen Blickwinkeln beleuchten. (Ich diskutiere <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.philbu.net\/blog\/article-digitale-medientechnologien-aus-kultur-und-sozialanthropologischer-perspektive\/\" target=\"_blank\">an anderer Stelle<\/a> eine Auswahl kultur- und sozialanthropologischer Perspektiven.)  Antworten auf diese und \u00e4hnliche Fragen gibt im Besonderen eine junge  Subdisziplin der Kultur- und Sozialanthropologie: die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/www.ucl.ac.uk\/anthropology\/centre-for-digital-anthropology\" target=\"_blank\">Digitale Anthropologie<\/a>. <\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDigitale Anthropologie\u201c ist eine relativ neue Bezeichnung f\u00fcr einen  Forschungsbereich, der schon viele Namen hatte: \u201eCyberanthropologie\u201c,  \u201eCyberanthropology\u201c, \u201eCyborg Anthropology\u201c, \u201eAnthropologie des  Cyberspace\u201c oder \u201eAnthropologie der Cyberkultur\u201c (vgl. z.B. Budka &amp;  Kremser 2004, Downey et al. 1995, Escobar 1994, Hakken 1999). Obwohl  sich die Bezeichnungen im Laufe der Jahre und unter Einfluss  unterschiedlicher Forschungsrichtungen sowie gesellschaftlicher und  (popul\u00e4r)kultureller Trends \u00e4nderten, blieben die Forschungsthemen und  -schwerpunkte die gleichen: der menschliche Umgang mit digitalen  Technologien und die soziokulturellen Implikationen und Bedeutungen von  neuen IKT. (Ich zeichne <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.philbu.net\/blog\/paper-von-cyber-anthropologie-zu-digitaler-anthropologie-kultur-und-sozialanthropologische-beitrage-zur-erforschung-digitaler-medientechnologien\/\" target=\"_blank\">an anderer Stelle<\/a> Aspekte dieser Entwicklung nach.) <\/p>\n\n\n\n<p>Mitte der 1990er Jahre begann <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Manfred_Kremser\" target=\"_blank\">Manfred Kremser<\/a> am Wiener Institut f\u00fcr Kultur- und Sozialanthropologie sich mit dem  \u201eCyberspace\u201c als soziokulturellen Raum zu besch\u00e4ftigen, der vielf\u00e4ltige,  neue Formen der Kommunikation und Interaktion erm\u00f6glichte. Dabei zeigte  Kremser besonderes Interesse an religi\u00f6sen Ver\u00e4nderungs- und  Transformationsprozessen, die von technischen Entwicklungen, wie dem  Internet, getragen wurden (z.B. Kremser 2003). Auf methodologischer  Ebene erweiterte Kremser das \u201eklassische\u201c Konzept ethnographischer  Feldforschung zu \u201eFelder-Forschung\u201c, um jene soziokulturellen  (Forschungs)Felder zu ber\u00fccksichtigen, die durch neue digitale  Technologien entstanden (z.B. Kremser 1998). <\/p>\n\n\n\n<p>Kremser folgten weitere Wiener Kultur- und SozialanthropologInnen, die  sich mit neuen, digitalen Medientechnologien aus unterschiedlichen  Perspektiven befassten: Von Untersuchungen zu digital-kulturellen  Transformationsprozessen, \u00fcber unterschiedliche digitale Organisations-  und Unternehmenskulturen sowie die Darstellung und Repr\u00e4sentation von  diversen kulturellen Gruppen und Religionen im Internet, bis hin zu  neuen soziokulturellen Praktiken, die durch digitale Technologien  erm\u00f6glicht werden. In einem aktuellen Projekt am Institut f\u00fcr  Sozialanthropologie der \u00d6sterreichischen Akademie der Wissenschaften  forscht beispielsweise <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/tinyurl.com\/jz4f2kl\" target=\"_blank\">Martin Slama<\/a> \u00fcber islamische Religiosit\u00e4t im indonesischen Kontext und unter Ber\u00fccksichtigung Sozialer Medien wie Facebook. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"448\" height=\"336\" src=\"http:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/internet2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1274\" srcset=\"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/internet2.jpg 448w, https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/internet2-300x225.jpg 300w, https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/internet2-144x108.jpg 144w\" sizes=\"auto, (max-width: 448px) 100vw, 448px\" \/><figcaption> Internetcaf\u00e9, Toronto, Kanada. (Foto: Philipp Budka) <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">M\u00f6gliche Grundlagen einer Digitalen Anthropologie <\/h2>\n\n\n\n<p>In einem der ersten Sammelb\u00e4nde, der sich \nexplizit mit dem Forschungsbereich der Digitalen Anthropologie \nauseinandersetzt, identifizieren Daniel Miller und Heather Horst (2012) \nsechs Prinzipien, die ihrer Ansicht nach die Grundlagen einer Digitalen \nAnthropologie als kultur- und sozialanthropologische Subdisziplin \nbilden.<\/p>\n\n\n\n<ol class=\"wp-block-list\"><li>Das Digitale intensiviert die dialektische Natur von Kultur. Das  Dialektische bezieht sich dabei auf das Verh\u00e4ltnis zwischen kulturellen  Gemeinsamkeiten und Unterschieden.<\/li><li>Die Menschheit wird durch den Aufstieg des Digitalen nicht st\u00e4rker  mediatisiert. Das vor-digitale Leben war keineswegs \u201erealer\u201c oder  \u201eauthentischer\u201c als das Leben im digitalen Zeitalter.<\/li><li>Die Digitale Anthropologie ist einer ganzheitlichen Sichtweise auf  menschliches Leben und soziokulturelle Ph\u00e4nomene verpflichtet.<\/li><li><a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.univie.ac.at\/sowi-online\/esowi\/cp\/einfpropaedksa\/einfpropaedksa-21.html\" target=\"_blank\">Kultureller Relativismus<\/a> und eine globale, kulturvergleichende Perspektive auf das Digitale sind  essentiell. Hypothesen bez\u00fcglich der homogenisierenden Wirkung des  Digitalen lassen sich so relativieren oder widerlegen.<\/li><li>Digitale Kultur ist doppel- oder mehrdeutig. Einerseits er\u00f6ffnen  sich neue M\u00f6glichkeiten durch digitale Technologien (z.B. vielf\u00e4ltige  Wege der Meinungs\u00e4u\u00dferung), andererseits verschlie\u00dfen sich auch  M\u00f6glichkeiten (z.B. Einschr\u00e4nkungen der Privatsph\u00e4re).<\/li><li>Digitale Anthropologie (an)erkennt die Materialit\u00e4t digitaler  Welten. Diese sind weder mehr noch weniger materiell als vor-digitale  Lebenswelten. Das Digitale, wie jede Form <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.materialworldblog.com\/\" target=\"_blank\">materieller Kultur<\/a>, wird zu einem konstitutiven Teil dessen, was uns zu Menschen macht.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Materielle Kultur und (kulturelle) Aneignung <\/h2>\n\n\n\n<p>Seit Jahrzehnten untersuchen Kultur- und SozialanthropologInnen neue und  \u201emoderne\u201c Technologien und wie diese in unterschiedlichen  Gesellschaften verwendet werden. Um diese komplexen soziotechnischen  Ph\u00e4nomene zu analysieren und zu verstehen, ist es notwendig passende  theoretische Verst\u00e4ndniszug\u00e4nge zu entwickeln sowie empirische Befunde  zu erstellen. <\/p>\n\n\n\n<p>Technologie wird in der Kultur- und Sozialanthropologie auch als  materielle Kultur verstanden. Diese Sichtweise erlaubt es die  Materialit\u00e4t und die Normativit\u00e4t von Technologien ebenso zu fassen wie  deren allt\u00e4gliche Aneignung in wandelnden soziokulturellen, politischen  und \u00f6konomischen Kontexten.<br>So kommen z.B. Daniel Miller und Don Slater (2000) in ihrer Studie \u00fcber  das Internet in Trinidad zu dem Schluss, dass das Internet eher als  materielle Kultur zu verstehen ist als als Technologie, weil die  Internettechnologien und -services in unterschiedliche Formen allt\u00e4glicher Praktiken eingebettet sind. Materielle Kultur steht dabei in engem Zusammenhang mit Prozessen der Konsumption, die in einem ersten Schritt die Transformation eines Objekts von einer unpers\u00f6nlichen Ware zu einer Sache mit pers\u00f6nlicher Bedeutung f\u00fcr KonsumentInnen und deren Lebenswelt meint. Und genau das  ist mit dem Internet in Trinidad geschehen: Das globale Computernetzwerk Internet wurde im Prozess allt\u00e4glicher Nutzung und kontinuierlicher Aneignung von einem unpers\u00f6nlichen Ding zu einer Sache mit pers\u00f6nlicher Bedeutung f\u00fcr Menschen in einem spezifischen lokalen Kontext.  <\/p>\n\n\n\n<p>Im Prozess der Aneignung werden Dinge neu interpretiert, umgedeutet und  transformiert. Dies geschieht immer in einem soziokulturellen Kontext. Die grundlegende Dimension im Aneignungsprozess ist, dass ein Ding, das im Besitz von jemanden war, neu in Besitz genommen wird. Aneignung ist so auch eine Form der sozialen Interaktion zwischen Menschen. Das Konzept der (kulturellen) \u201eAneignung\u201c ist des Weiteren besonders gut geeignet die Rolle der TechnologienutzerInnen als (handlungsm\u00e4chtige) AkteurInnen hervorzuheben, wie z.B. Hans Peter Hahn (2015) in seinen Studien zu Mobiltelefonpraktiken in Westafrika zeigt.<\/p>\n\n\n\n<p>Solche und \u00e4hnliche Ans\u00e4tze erlauben es der Kultur- und  Sozialanthropologie Antworten, etwa auf Fragen nach der soziokulturellen  und soziokulturell-unterschiedlichen Bedeutung von Technologien zu  geben. Wie aber sammeln Kultur- und SozialanthropologInnen Daten in  digitalen Lebenswelten? <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Digitale Ethnographie oder ethnographische Feldforschung in digitalen Lebenswelten <\/h2>\n\n\n\n<p>Wichtigste methodische Herangehensweise, um Medien- und  Technologieph\u00e4nomene zu erfassen, ist f\u00fcr die Kultur- und  Sozialanthropologie die ethnographische Feldforschung. Diese methodische  Strategie zur empirischen Datenerhebung passt sich dabei sowohl dem  Feld als auch den soziokulturellen Handlungsr\u00e4umen der Menschen an. <\/p>\n\n\n\n<p>In der Feldforschung kommen unterschiedliche Instrumente und Techniken  der Datenerhebung zum Einsatz. F\u00fcr die Kultur- und Sozialanthropologie  ist dabei die <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/www.univie.ac.at\/ksa\/elearning\/cp\/qualitative\/qualitative-25.html\" target=\"_blank\">teilnehmende Beobachtung<\/a>  das wichtigste Instrumentarium; also die aktive Teilnahme am  Alltagsleben von Menschen \u00fcber einen l\u00e4ngeren Zeitraum und die  Beschreibung desselben. Ethnographische Feldforschung gestaltet sich so  als eine sehr intime Forschungsstrategie Daten zu erheben und Wissen zu  gewinnen, die den\/die Forscher\/in mitten in das private und berufliche  Alltagsleben von Menschen platziert. Und wie z.B. Tom Boellstorff (2008)  zeigt, kann es sich dabei auch um das Leben in virtuellen (Spiel)Welten  handeln, die von EthnographInnen in diesem spezifischen Kontext  erforscht werden. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"aligncenter\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"400\" height=\"238\" src=\"http:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/second_life2.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-1273\" srcset=\"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/second_life2.jpg 400w, https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/second_life2-300x179.jpg 300w, https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/12\/second_life2-144x86.jpg 144w\" sizes=\"auto, (max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><figcaption> Avatare Second Live. (Quelle: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File:EsperantoRondo.png\">wikimedia commons<\/a>) <\/figcaption><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Mittels ethnographischer Forschung versucht die Kultur- und  Sozialanthropologie also Befunde dar\u00fcber zu liefern, wie wir in einer  digitalen, materiellen und sensorischen Welt leben und wie sich dieses  Leben best\u00e4ndig ver\u00e4ndert und weiter entwickelt. Auch hier beginnt sich  ein neuer Begriff durchzusetzen, der der rasant zunehmenden Bedeutung  des Digitalen und der Digitalisierung Rechnung tr\u00e4gt: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/digital-ethnography.com\/\" target=\"_blank\">\u201eDigitale Ethnographie\u201c<\/a> (vgl. z.B. Pink et al. 2016). <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Fazit <\/h2>\n\n\n\n<p>Digitale Anthropologie l\u00e4sst sich \u2013 vereinfacht ausgedr\u00fcckt und an die  Begriffsbestimmung von Marcus Banks (2012) zu \u201eVisueller Anthropologie\u201c  angelehnt \u2013 als die anthropologische Untersuchung des Digitalen sowie die digitale Untersuchung des Anthropologischen verstehen. <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Von besonderem Interesse f\u00fcr die Kultur- und Sozialanthropologie ist dabei<\/strong> weniger die Geschwindigkeit mit der digitale Technologien entwickelt werden, sondern vielmehr <strong>die\n Selbstverst\u00e4ndlichkeit mit der diese technischen Entwicklungen in die \nGesellschaft integriert sowie Regeln und Normen f\u00fcr deren Gebrauch \nfestgelegt und angewendet werden.<\/strong> F\u00fcr die Digitale \nAnthropologie ist es also wesentlich zu untersuchen, wie Dinge, Objekte \nund Artefakte, die die materielle, digitale Welt konstituieren, so \nschnell allt\u00e4glich und banal werden.\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei bedient sich die Kultur- und Sozialanthropologie theoretischer  Konzepte und methodischer Strategien, die helfen die Bedeutung von  Technologien f\u00fcr den Menschen zu verstehen sowie konkrete Aneignungs-  und Nutzungspraktiken zu erfassen. So werden etwa globale Technologien,  wie das Internet, in ihrer lokalen Aneignung mittels ethnographischer  Feldforschung als materielle Kultur im menschlichen Alltagsleben  untersucht. <\/p>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading\">Literatur <\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\"><li> Banks, M. 2012. <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"http:\/\/oxfordindex.oup.com\/view\/10.1093\/obo\/9780199766567-0028#fullTextLinks\" target=\"_blank\">Visual Anthropology<\/a>. In: Jackson, J. L. (Hg.), <em>Research Guide Anthropology. Oxford Bibliographies<\/em>. Oxford: Oxford University Press.<\/li><li>Boellstorff, T. 2008. <em>Coming of age in Second Life: an anthropologist explores the virtually human<\/em>. Princeton: Princeton University Press.<\/li><li>Budka,  P., Kremser, M. 2004. CyberAnthropology \u2013 anthropology of   cyberculture. In: Khittel, S., Plankensteiner, B. &amp; M.   Six-Hohenbalken (Hg.), Contemporary issues in socio-cultural   anthropology: perspectives and research activities from Austria. Wien:   Loecker Verlag, 213-226.<\/li><li>Downey, G. L., Dumit, J., Williams, S. 1995. Cyborg anthropology. <em>Cultural Anthropology<\/em>, 10(2), 264-269.<\/li><li>Escobar, A. 1994. Welcome to Cyberia: notes on the anthropology of cyberculture. <em>Current Anthropology<\/em>, 35(3), 211-231.<\/li><li>Hahn, H. P. 2015. Mobile Kommunikation, Materielle Kultur und neue   Verflechtungen. In: Bender, C., Zillinger, M. (Hg.), Handbuch der   Medienethnographie. Berlin: Reimer Verlag, 153-171.<\/li><li>Hakken, D. 1999. <em>Cyborgs@Cyberspace: an ethnographer looks to the future<\/em>. London: Routledge.<\/li><li>Kremser, M. 1998. Von der Feld zur Felder-Forschung. In: Wernhart, K., Zips, W. (Hg.), <em>Ethnohistorie. Rekonstruktion und Kulturkritik<\/em>. Wien: Promedia: 135-144.<\/li><li>Kremser,  M. 2003. Afrikas Digitale Diaspora Religionen: Das Ringen um  religi\u00f6se  Kultur und Identit\u00e4t im Cyberspace. In: Zips, W. (Hg.), <em>Afrikanische Diaspora: Out of Africa \u2013 Into New Worlds<\/em>. M\u00fcnster: LIT-Verlag, 447-456.<\/li><li>Miller, D., Horst, H. 2012. The digital and the human: a prospectus for digital anthropology. In: Horst, H., Miller, D. (Hg.), <em>Digital anthropology<\/em>. London: Berg, 3-35.<\/li><li>Miller, D., Slater, D. 2000. <em>The Internet: an ethnographic approach<\/em>. Oxford: Berg.<\/li><li>Pink, S., Horst, H., Postill, J., Hjorth, L., Lewis, T. &amp; J. Tacchi. 2016. <em>Digital ethnography: principles and practice<\/em>. Thousand Oaks, CA: Sage.  <\/li><\/ul>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dieser Text wurde 2017 f\u00fcr den Blog der Universit\u00e4t Wien geschrieben; f\u00fcr eine \u00fcberarbeitete und erweiterte Version des Textes siehe Budka, P. 2019. Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. \u00dcber die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In: Luger, M., Graf, F. &amp; Budka, P. (Hg.), Ritualisierung &#8211; Mediatisierung &#8211; Performance.&#8230; <a href=\"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/digitale-anthropologie\/\" class=\"more-link\">Continue reading <span class=\"screen-reader-text\">Digitale Anthropologie<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[54,99,213,7,22,29,26,106],"tags":[20,186,212,162,19],"class_list":["post-1251","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-cyberanthropology","category-digital-anthropology","category-digital-ethnography","category-internet","category-social-media","category-anthropology","category-technology","category-www-icts","tag-cyberanthropology","tag-digital-anthropology","tag-digital-ethnography","tag-social-media","tag-sociocultural-anthropology"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1251","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1251"}],"version-history":[{"count":21,"href":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1251\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1323,"href":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1251\/revisions\/1323"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1251"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1251"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.philbu.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1251"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}