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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 2

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Anthropologische Perspektiven auf Technik und Technologie 2/2

Aufbauend auf Mauss (1989) versteht Sigaut (1997) Technologie als Wissenschaft und darüber hinaus als einen Zweig der Anthropologie, da technische Fakten letztlich Fakten menschlicher Aktivität sind. Technologie steht dabei zu Technik wie Wissenschaft zu den von ihr erforschten Objekten. Um nun eine “echte wissenschaftliche Technologie” zu entwickeln – Sigaut (1997: 422) spricht von “truly scientific technology” – ist es notwendig, ein Forschungsobjekt durch Beobachtung und Beschreibung zu konstruieren, ein Prozess, den er “Technographie” nennt (ebd.: 423).

Technik, im Sinne von Mauss, meint wiederum jedes Set an Bewegungen oder Handlungen, das kombiniert wird, um ein bekanntes physisches, chemisches oder organisches Ziel zu erreichen (ebd.).1 Dabei benötigt Technik Wissen und Fertigkeiten. Wissen über technische Dinge bedeutet wiederum nicht, diese auch bedienen zu können. Dazu sind bestimmte Fertigkeiten – Ingold (2000: 289ff.) spricht von “skills” – notwendig. Um nun Wissen in Fertigkeiten zu transformieren, bedarf es eines Lernprozesses über unterschiedlich lange Zeiträume. Für Sigaut (1997: 445) können diese Fertigkeiten grundsätzlich nicht getrennt von permanenter und sich beständig erneuernder (sozialer) Handlungspraxis existieren. Technische Fertigkeiten lassen sich so als sozial produziert und darüber hinaus als eng mit materiellen Gütern verbunden verstehen. Die Anthropologie blickt nun genau auf diese soziotechnischen Beziehungen, die nach Sigaut die interessantesten Antworten auf technische und technologische Phänomene und Probleme in unseren Gesellschaften versprechen.

So wird in der Anthropologie etwa das Konzept des soziotechnischen Systems verwendet, um die genannten Phänomene gemeinsam und in ihrem Zusammenhang zu untersuchen. Dabei wird, wie bereits dargelegt, ein deterministisches Technologieverständnis – die Vorstellung, dass Technologie eine alles dominierende Kraft und entsprechende Handlungsautonomie besitzt – ebenso abgelehnt wie die Sichtweise, dass Technologie “neutral” ist und es keinerlei Verbindung zwischen Technik, Technologie, Gesellschaft und Kultur gäbe. Ein soziotechnisches System lässt sich als ein Komplex unterschiedlicher, miteinander verbundener Elemente verstehen: soziale Strukturen, Koordination und Organisation von Arbeit, soziale Beziehungen und Kommunikation zwischen AkteurInnen sowie Produktion und Verwendung von Artefakten. Dieses Gefüge von soziotechnisch relevanten Phänomenen ist dabei gleichzeitig adaptiv – das heißt anpassungs- und lernfähig – sowie expressiv – also ausdrucksfähig (Pfaffenberger 1992: 513).

Technologie wird in der Anthropologie (z. B. Eglash 2006) und in anderen Sozialwissenschaften (z. B. Vannini 2009) aber auch als materielle Kultur verstanden. Materielle Kultur lässt sich nach Daniel Miller (1997: 399) als die materielle Form jenes kulturellen Prozesses verstehen, durch den sich menschliche Gruppen konstruieren und sozialisieren. So erlaubt dieser Zugang, die Materialität und die Normativität von Technologien anhand ihrer Inkorporation in den soziokulturellen Alltag zu fassen. Wie sich in der anthropologischen und ethnographischen Forschungspraxis zeigt, ist die Materialität von Technologie mit phänomenologischen Erfahrungen verknüpft, über die soziale Verbindungen und (neue) Beziehungen zu Zeit und Raum sowie zu Körper und Wahrnehmung hergestellt werden (z.B. Ginsburg/Abu-Lughod/Larkin 2002).

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