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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 4

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Cyberanthropologie 2/2

Im deutschen Sprachraum war Manfred Kremser einer der ersten Kultur- und Sozialanthropologen, der sich ausführlich mit neuen digitalen Technologien und deren Bedeutung für Mensch, Gesellschaft und Kultur auseinander setzte.1 Ab 1996 bot er Lehrveranstaltungen zu ausgewählten cyberanthropologischen Themen am Institut für Kultur- und Sozialanthropologie (vormals Völkerkunde) der Universität Wien an. Dabei verstand er es geschickt, das neue Forschungsfeld der Cyberanthropologie mit Frage- und Problemstellungen zu verbinden, mit denen er sich bereits zuvor intensiv auseinander gesetzt hatte, besonders im Bereich der afrikanischen und afro-karibischen Religionen. So untersuchte Kremser beispielsweise, wie der soziokulturelle Raum des Cyberspace “Afrikanische Traditionelle Religionen” und “Afrikanische Diaspora Religionen” um eine zusätzliche Dimension, die Kremser (2003: 447) als “Afrikanische Digitale Diaspora Religionen” bezeichnet, erweitert.2 Historisch betrachtet, wurden afrikanische Religionen und deren Traditionen in der Diaspora laufend transformiert. Die “Afrikanische Digitale Diaspora” transformiert nun wiederum das bereits Transformierte auf neue Art und Weise (Kremser 2001a: 111). Diese “Cyber-Transformationen” implizieren einen fundamentalen Wandel von traditionellen und diasporischen Religionen (Kremser 2003: 448). Indigene religiöse Konzepte und Praktiken verlassen ihr lokales Territorium und werden durch global vernetzte digitale Technologien für viele Menschen weltweit verfügbar. Im Zuge dieses Globalisierungsprozesses werden afrikanische Kosmologien und Ritualsysteme in neue Formen von “Kultur” transformiert, an der ein Publikum global teilhaben kann (ebd.).

In seiner Forschung arbeitete Kremser (z.B. 2001a, 2001b, 2003) die Besonderheiten dieser Transformationsprozesse heraus. Die Genese digitaler afrikanischer Diaspora-Religionen ermöglicht es beispielsweise, die Ähnlichkeiten zwischen afrikanischer Spiritualität und grundlegenden Prinzipien des Cyberspace zu erkennen. So spielen etwa binäre Codesysteme sowohl in der Computertechnik als auch bei Ifá-Orakel in der Religion der Yoruba (vor allem im westlichen Nigeria) eine entscheidende Rolle (Kremser 2001b; siehe auch Eglash 1999: 86ff.; Eglash/Bleecker 2001: 357ff.). Digitale afrikanische Religionen bilden neue Kontexte für etablierte Konzepte und Praktiken und ermöglichen so deren Neuinterpretation und das Erleben neuer religiöser Dimensionen. Viele religiöse PraktikerInnen sind, nach Kremser (1998: 141ff.), nun in unterschiedlichen sozialen Feldern engagiert: etwa als PriesterInnen in lokalen Gemeinschaften, als LehrerInnen und spirituelle FührerInnen bei internationalen Workshops und Diaspora-Treffen sowie als ComputerspezialistInnen und religiöse UnternehmerInnen in globalen Online-Gemeinschaften der digitalen Diaspora. Um diese Felder auf methodischer Ebene zu berücksichtigen, schlägt Kremser (ebd.: 135ff.) vor, das “klassische” Konzept ethnographischer Feldforschung zur “Felder-Forschung” zu erweitern, in der sich EthnographInnen mit unterschiedlichen soziokulturellen Feldern befassen, die sich auch in den digitalen Raum erstrecken, sich überlappen und ergänzen (siehe auch Marcus 1998).

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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 4

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Cyberanthropologie 1/2

Internet Café, Toronto, Canada. Photo by Philipp Budka

Die Bezeichnung “Cyberanthropologie” lehnt sich an Wortschöpfungen wie “Cyberspace”, “Cyberkultur” und “Cyberpunk” an, die vor allem der Science-Fiction-Literatur und damit der Populärkultur entstammen (Knorr 2011; Tomas 1991). Der Begriff “Cyberspace” beispielsweise wurde das erste Mal vom Science-Fiction-Autor William Gibson in der Kurzgeschichte Burning Chrome (1982) verwendet und beschreibt einen computergenerierten Raum kollektiver Halluzination (siehe auch Gibson 1984). Das Präfix “Cyber” hat eine längere Geschichte und wurde durch den Mathematiker Norbert Wiener Ende der 1940er Jahre popularisiert. Er verwendete den Begriff “Kybernetik” (“Cybernetics”), um einen interdisziplinären Wissenschaftskomplex zu beschreiben, der sich mit Steuerung und Regelung in informationellen, mechanischen oder natürlichen Systemen befasst (Wiener 1948). In ihrer grundlegenden Form versteht Wiener Kybernetik als eine Theorie von Informationen, Signalen oder Nachrichten, die das Ziel verfolgt, ein Verfahren zur Informationsgenerierung und -organisation zu entwickeln, um etwa Mensch-Maschine-Kommunikation zu ermöglichen (Axel 2006: 359; siehe auch Knorr 2011: 31ff.; Matzker 1998: 157ff.).

Die Arbeit der Kybernetiker trug maßgeblich dazu bei, dass Themen wie Kommunikation sowie soziotechnische Beziehungen und Systeme in den Mittelpunkt anthropologischer Projekte rückten (z. B. Axel 2006; Boyer 2010). Gregory Bateson (2000) beispielsweise war besonders an den kommunikativen Beziehungen zwischen Organismen – menschlichen und nicht-menschlichen – und deren Umwelt interessiert. Kybernetik, so hoffte er, könnte entscheidend zum Verständnis komplexer Systeme, von Mensch-Nicht-Mensch-Interaktionen und letztlich auch des menschlichen Geistes selbst beitragen. Während die Kybernetik als interdisziplinäres Projekt in den 1980er Jahren an Schwung verlor, wurde die Suche nach Antworten auf komplexe Problemstellungen in Zusammenhang mit zunehmend technologisierten Systemen sowie Mensch-Nicht-Mensch-Kommunikation und -Interaktion in der Anthropologie fortgesetzt. Mitte der 1990er Jahre ließen sich drei größere cyberanthropologische Forschungsprojekte identifizieren, die einerseits miteinander verknüpft waren, andererseits ihren Fokus aber auf unterschiedliche Phänomenbereiche legten (Escobar 1994: 215ff.):

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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 3

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Eine Einleitung

Während in den Anfängen der anthropologischen Analyse von neuen digitalen Informations-, Kommunikations- und Medientechnologien noch von “Cyberanthropologie” bzw. “Cyberanthropology” (z.B. Budka/Kremser 2004; Knorr 2011) gesprochen wurde, werden diese Begriffe zunehmend von der Bezeichnung “Digitale Anthropologie” (z. B. Horst/Miller 2012) abgelöst.1 Obwohl sich die Bezeichnungen dieses Forschungsfeldes im Laufe der Jahre und unter Einfluss unterschiedlicher wissenschaftlicher Disziplinen sowie gesellschaftlicher und (populär)kultureller Trends änderten, blieben die Forschungsthemen und -schwerpunkte ähnlich: die soziokulturellen Implikationen und Bedeutungen neuer, digitaler Technologien. Dabei befassen sich AnthropologInnen oftmals mit den Verbindungen zwischen digitalen Technologien, Medien oder Kommunikationsformen einerseits und soziokulturellen Phänomenbereichen andererseits, die traditionell intensiv in der Disziplin bearbeitet werden, wie gesellschaftliche Beziehungen und Organisationsformen, kulturell unterschiedliche Formen der Kommunikation und Identitätskonstruktion, Ritualdynamiken und religiöse Prozesse oder ökonomische Praktiken (z. B. Budka/Kremser 2004; Horst/Miller 2012; Schröder/Voell 2002; Whitehead/Wesch 2012b).

Internet Café, Toronto, Canada. Photo by Philipp Budka

Das soziotechnische Phänomen, das die anthropologische Forschung zu digitalen Medientechnologien entscheidend vorantrieb, ist das Internet.2 Daniel Miller und Don Slater (2000: 14), die eine der ersten ethnographischen Studien über das Internet durchführten, betonen bereits hier, dass das Internet kein ausschließlich technisches, technologisches oder infrastrukturelles Phänomen sei, sondern auch ein soziokulturelles: Es ermöglicht Kommunikation, soziale Interaktion und kulturelle Repräsentation und ist nicht zuletzt deshalb Gegenstand anthropologischer Forschung (siehe auch Hart 2004). Das Internet und das World Wide Web (WWW)3 versprachen eine ganze Reihe von Dingen: unmittelbare globale Kommunikation, vernetztes Organisieren von Information und neue Formen von Politik, Ökonomie und Sozialität.

Howard Rheingold (2000: xviii), beispielsweise, betonte die Tragweite des “Cyberspace” für politische Freiheit und die Veränderung des “realen Lebens” durch die Etablierung “virtueller Gemeinschaften”. In der Untersuchung dieser neuen Vergemeinschaftungsformen befassten sich die ersten sozialwissenschaftlichen InternetforscherInnen zunächst mit deren (kommunikativen) Strukturen und ihrer (soziologischen) Entwicklung (z. B. Jones 1995; Smith/Kollock 1999). In der Folge verschob sich der Forschungsfokus auf den (sozialen) Netzwerkcharakter von Gesellschaften und Gemeinschaften, der sich, zumindest nach Meinung einiger SoziologInnen, im Internetzeitalter verstärkt und sogar konstituierend für das digital vernetzte Individuum ist (z. B. Castells 2000; Rainie/Wellman 2012).

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Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 2

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Diese Serie von Blogeinträgen beschreibt die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Anthropologische Perspektiven auf Technik und Technologie 1/2

Seit Jahrzehnten untersuchen Kultur- und SozialanthropologInnen neue und “moderne” Techniken und Technologien und wie diese vor allem in “nichtwestlichen” Gesellschaften verwendet und angeeignet werden (z.B. Godelier 1971; Pfaffenberger 1992; Sharp 1952). Doch, wie etwa Arturo Escobar (1994) betont, gestaltet es sich oft schwierig, diese Forschungsansätze und -befunde auf hoch komplexe, technische Umgebungen in “modernen” Gesellschaften zu übertragen. Aus anthropologischer Perspektive bedeutet diese Transferschwierigkeit aber weder eine Abwertung von spezifischen Techniken oder Technologien und damit verbundenen gesellschaftlichen und kulturellen Systemen noch deren Hierarchisierung, etwa in einem evolutionistischen Sinn (z. B. Ingold 2000). All diese soziotechnischen Phänomene sind hoch komplex und heterogen.

Um diese Phänomene und damit zusammenhängende soziale Praktiken und kulturelle Prozesse an den Schnittstellen von Gesellschaft, Wissenschaft und Technik zu analysieren und zu verstehen, ist es notwendig, passende theoretische Zugänge und Konzepte zu generieren sowie empirische Befunde zu sammeln (z. B. Fischer 2007; Pfaffenberger 1992). Wie Robert Adams (1996: xiii) festhält, erlaubt gerade die Anthropologie als wissenschaftliche Disziplin eine spezifische, offene Sichtweise auf Technik und Technologie, die wesentliche Vorzüge hat. Erstens vermeidet sie eine Reduktion auf simple Regularitäten und messbare Quantitäten im Verstehen komplexer soziotechnischer Interaktionen. Weiters werden integrative und kontextbezogene Zugänge betont, um soziotechnischen Wandel und soziotechnische Kontinuität zu untersuchen. Und drittens erlaubt der Fokus auf Diversität scheinbar allgemein akzeptierte Kategorisierungen und Beschreibungen von soziokulturellen Phänomenen kritisch zu hinterfragen.

So setzt beispielsweise Bryan Pfaffenberger (1988b: 244) den beiden Extrempositionen des “technologischen Somnambulismus”, die keinen kausalen Zusammenhang zwischen Technologie, Gesellschaft und Kultur erkennen will, und des “technologischen Determinismus”, die Technologie als die alles bestimmende gesellschaftliche Antriebskraft versteht, das Konzept der “humanisierten Natur” entgegen, das Technologie als soziokulturelles Konstrukt versteht, das der Mensch aus seiner ihn umgebenden Natur gestaltet. Dieses Technologieverständnis versucht deterministische Zugänge ebenso zu vermeiden wie die damit verbundene Fetischisierung von Technologie (Budka 2013). Technologie als “humanisierte Natur” ist laut Pfaffenberger (1988b) ein fundamental soziales – oder angelehnt an Marcel Mauss (1989) ein “totales” – Phänomen, das das Materielle, das Soziale und das Symbolische in einem assoziativen Netz kombiniert.

Die Überzeugung, dass technische und gesellschaftliche Phänomene nicht getrennt voneinander zu untersuchen und zu verstehen sind, ist also grundlegend für die Anthropologie wie auch für die Wissenschafts- und Technikforschung sowie die Techniksoziologie (z. B. Bijker/Law 1992; Degele 2002). Aufgrund der Komplexität der Thematik ist es auch schwierig, eine allgemein gültige Definition von Technik bzw. Technologie zu finden. So meint etwa François Sigaut (1997: 422), dass sich letztlich viele Bemühungen, Technologie zu definieren, als widersprüchlich und damit als nutzlos herausstellen. Und Tim Ingold (2000: 296f.) konstatiert grundlegende Unterschiede in den Versuchen, Technologie zu definieren, die vorrangig davon abhängig sind, wie umfassend diese Definitionen angelegt werden und wie das Verhältnis zwischen Technologie und Wissenschaft interpretiert wird.

Blog Post Series: Von der Cyberanthropologie zur Digitalen Anthropologie – Teil 1

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In dieser Serie von Blogeinträgen werde ich in den kommenden Wochen die Relevanz kultur- und sozialanthropologischer Zugänge in der Untersuchung digitaler Technik und Technologien, dargestellt anhand wissenschaftstheoretischer Aspekte in der Entwicklung der Forschungsfelder der “Cyberanthropologie” und der “Digitalen Anthropologie”, verdeutlichen. Kommentare und/oder Anmerkungen sind dezidiert erwünscht.
Die einzelnen Blogeinträge bauen, leicht verändert, auf einen Text, der 2019 im Sammelband Ritualisierung – Meditatisierung – Performance publiziert wurde:
Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press. https://doi.org/10.14220/9783737005142.163

Digitale Technik und Technologien haben das Menschsein verändert, und Menschen gestalten und verändern laufend Technik und Technologien. Diese Serie von Blogeinträgen zeigt, wie die Kultur- und Sozialanthropologie, als Wissenschaft vom sozialen und kulturellen Menschen, den wissenschaftstheoretischen Zugang sowie die Methodenwahl mitgestaltet, um diese komplexe Beziehung zu erfassen, zu beschreiben und letztlich zu verstehen. Dabei wird auch sie von Entwicklungs- und Veränderungsprozessen geprägt, die als soziotechnisch – im Sinne der engen Verknüpfung zwischen dem Sozialen und dem Technischen, zwischen Gesellschaft, Technik und Technologie – bezeichnet werden können.

So ist die Kultur- und Sozialanthropologie längst nicht mehr nur die Wissenschaft von “einfachen außereuropäischen Kulturen”.1 Seit Jahrzehnten forschen ihre VertreterInnen, zumeist vergleichend, zu komplexen Phänomenen, Prozessen und Veränderungen in unterschiedlichsten menschlichen Gesellschaften. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis die ersten AnthropologInnen begannen, sich mit technischen Entwicklungen und wissenschaftlichen Praktiken in Europa und den USA auseinander zu setzen (z. B. Fischer 1999, 2007; Pfaffenberger 1988b, 1992).

So kamen schrittweise digitale Informations-, Kommunikations- und Medientechnologien und mit diesen verbundene Prozesse und Praktiken in den Fokus anthropologischer Forschung: von der allgemeinen kulturellen und gesellschaftlichen Bedeutung digitaler Technologieentwicklung und deren Relevanz für das Menschsein und die Disziplin der Anthropologie (z. B. Dourish/Bell 2011; Escobar 1994; Hakken 1999; Houtman/Zeitlyn 1996; Miller 2018; Miller/Horst 2012; Uimonen 2015; Whitehead/Wesch 2012a) bis hin zur Untersuchung von spezifischen Zusammenhängen zwischen digitalen Technologien und soziokulturellen Phänomenen, wie Konflikt (Bräuchler 2005) und Ethnizität (Zurawski 2000) im Internet, Veränderungen der Arbeitswelt (Kjaerulff 2010) und menschlicher Kommunikationsweisen (Schröder/Voell 2002) oder die kulturelle Bedeutung Freier Software (Kelty 2008).

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Digital and Online Ethnography – A Selection of Resources

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Below you find a selection of resources on digital and online ethnography – with a slight focus on anthropological research – compiled by Philipp Budka.
To add and share your resources and/or references, please use this collaborative document.

Literature:

Baym, N. (2010). Personal connections in the digital age. Cambridge: Polity.

Bell, D., & Kennedy, B. M. (Eds.). (2000) The Cybercultures Reader. London: Routledge.

Boellstorff, T. (2016). For whom the ontology turns: Theorizing the digital real. Current Anthropology, 57(4), 387–407. https://doi.org/10.1086/687362

Boellstorff, T. (2013). Digital anthropology. In Oxford Bibliographies. https://www.oxfordbibliographies.com/view/document/obo-9780199766567/obo-9780199766567-0087.xml

Boellstorff, T. (2008). Coming of age in Second Life: An anthropologist explores the virtually human. Princeton: Princeton University Press.

Boellstorff, et al. (2012). Ethnography and virtual worlds: A handbook of method. Princeton: Princeton University Press.

Bräuchler, B. (2013). Cyberidentities at war: The Moluccan conflict on the Internet. New York: Berghahn Books.

Buchanan, E. A. (2004). Readings in virtual research ethics: Issues and controversies. Hershey, PA: Information Science Pub.

Budka, P. (2018). [Review of the book Digital environments: Ethnographic perspectives across global online and offline spaces, by U. U. Frömming, S. Köhn, S. Fox & M. Terry]. Anthropos, 113(1), 303-304. http://www.philbu.net/blog/review-digital-environments-ethnographic-perspectives-across-global-online-and-offline-spaces/

Budka, P. (2015). [Review of the book Cyberidentities at war: The Moluccan conflict on the Internet, by B. Bräuchler]. American Anthropologist, 117(1), 179-180. https://doi.org/10.1111/aman.12197 http://www.philbu.net/blog/review-cyberidentities-at-war-the-moluccan-conflict-on-the-internet/

Budka, P., & Kremser, M. (2004). CyberAnthropology – anthropology of cyberculture. In S. Khittel, B. Plankensteiner & M. Six-Hohenbalken (Eds.), Contemporary issues in socio-cultural anthropology: Perspectives and research activities from Austria (pp. 213-226). Vienna: Loecker Verlag.
http://www.philbu.net/budka_kremser_cyberanthro.pdf

Coleman, G. E. (2010). Ethnographic approaches to digital media. Annual Review of Anthropology 39(1), 487-505. https://doi.org/10.1146/annurev.anthro.012809.104945

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Publications: E-learning & blended learning in anthropology & the social sciences

Publications: E-learning & blended learning in anthropology & the social sciences published on No Comments on Publications: E-learning & blended learning in anthropology & the social sciences

Here a collection of publications that discuss the development and utilization of e-learning and blended learning tools and models for sociocultural anthropology and the social sciences. These publications are the result of different projects conducted at the Department of Social and Cultural Anthropology as well as the Dean’s Office of the Faculty of Social Sciences of the University of Vienna.

Budka, P., Schallert, C., & Mader, E. (2011). Interactive technology enhanced learning for social science students. In M. E. Auer & M. Huba (Eds.), Proceedings of the 14th International Conference on Interactive Collaborative Learning (ICL2011) (pp. 274-278), CD-ROM. Piscataway, NJ: IEEE. Abstract & Text.

Budka, P., & Schallert, C. (2009). Transforming learning infrastructures in the social sciences through flexible and interactive technology-enhanced learning. Learning Inquiry, 3(3), 131-142. https://doi.org/10.1007/s11519-009-0045-9

Budka, P., Mader, E., Anderl, E., & Stockinger, J. (2008). Strategies for networked learning in social science education. In J. Luca & E. R. Weippl (Eds.), Proceedings of ED-MEDIA 2008: World Conference on Educational Multimedia, Hypermedia and Telecommunications (pp. 618-622). Chesapeake, VA: AACE.

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Seminar: Digital Technologies as Material Culture 2020

Seminar: Digital Technologies as Material Culture 2020 published on No Comments on Seminar: Digital Technologies as Material Culture 2020

In this MA seminar at the Department of Social and Cultural Anthropology, University of Vienna, we explore digital media technologies from an anthropological/ethnographic perspective in the context of material culture.
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This course gives an overview about material culture as a conceptual and practical approach to understand digital technologies. In doing so, it focuses on the everyday incorporation and utilization of digital technologies.

Mobile networked digital media technologies, such as smart phones, as well as social media platforms and services, such as Facebook or Instagram, have become important (visual) communication and (re)presentation tools. For social and cultural anthropology it is of particular interest how these digital devices and technologies are integrated and embedded into everyday life, by considering changing sociocultural, political and economic contexts. This course focuses in particular on the material aspects of digital technologies and how they are utilized on a day-to-day basis. Questions about the relevance of a material culture approach for (the understanding of) technology appropriation – on a theoretical and practical level – as well as questions about (culturally) different usage practices are discussed. How does the understanding and conceptualization of digital technology as material culture contribute to the exploration and analyses of contemporary and emerging sociocultural practices and processes in increasingly digital societies?

By working on different online case studies, students get a comparative overview about material culture in a digital context.

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Book: Theorising Media and Conflict

Book: Theorising Media and Conflict published on No Comments on Book: Theorising Media and Conflict

Budka, P., & Bräuchler, B. (Eds.). (2020). Theorising media and conflict. Anthropology of Media. New York & Oxford: Berghahn Books.

Theorising Media and Conflict brings together anthropologists as well as media and communication scholars to collectively address the elusive and complex relationship between media and conflict. Through epistemological and methodological reflections and the analyses of various case studies from around the globe, this volume provides evidence for the co-constitutiveness of media and conflict and contributes to their consolidation as a distinct area of scholarship. Practitioners, policymakers, students and scholars who wish to understand the lived realities and dynamics of contemporary conflicts will find this book invaluable.

This is the second “Theorising media and …” book in Berghahn’s Anthropology of Media series. The aim of the series is to place media anthropology at the forefront of theoretical advances in both anthropology and media and communication studies.

Table of Contents

Preface
Philipp Budka

PART I: KEY DEBATES
Introduction. Anthropological Perspectives on Theorising Media and Conflict
Birgit Bräuchler and Philipp Budka
Chapter 1. Transforming Media and Conflict Research
Nicole Stremlau

PART II: WITNESSING CONFLICT
Chapter 2. Just a ‘Stupid Reflex’? Digital Witnessing of the Charlie Hebdo Attacks and the Mediation of Conflict
Johanna Sumiala, Minttu Tikka and Katja Valaskivi
Chapter 3. The Ambivalent Aesthetics and Perception of Mobile Phone Videos: A (De-)Escalating Factor for the Syrian Conflict
Mareike Meis

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Lecture/Seminar: Ethnography and Digital Media 2019

Lecture/Seminar: Ethnography and Digital Media 2019 published on No Comments on Lecture/Seminar: Ethnography and Digital Media 2019

In this lecture/seminar at the Department of Social and Cultural Anthropology, we discuss how ethnography contributes to the exploration, description and understanding of digitally mediated processes and practices (in German).

In dieser Lehrveranstaltung erhalten Studierende einen Einblick in die Ethnographie digitaler Medien. Dabei werden sowohl theoretische Zugänge und Konzepte als auch praxisnahen Anwendungs- und Erfahrungswerte vermittelt.

Digitale Medien – wie Internet, Social Media und Smartphones – ermöglichen neue Formen medialer Kommunikation und Repräsentation, die in Zusammenhang mit unterschiedlichen soziokulturellen, politischen und ökonomischen Faktoren und Dimensionen stehen. Diese Medientechnologien überbrücken nicht nur Zeit und Raum, sie gestalten diese neu. Sie ermöglichen die Vernetzung und Mobilisierung von Menschen und die Konstruktion vielfältiger Formen von individueller und kollektiver Identität. Welche theoretischen und methodologischen Zugänge sind hilfreich, um neue digitale Medientechnologien und damit zusammenhängende Praktiken und Sozialitäten zu beschreiben und zu analysieren? Können wir auf das “klassische” methodische Repertoire der Kultur- und Sozialanthropologie zurückgreifen oder benötigt es neue digitale Methoden und Techniken? Welche Bedeutung haben etwa Datensicherung und die Archivierung von digitalen Artefakten? Und welche ethischen Aspekte in der Digitalen Ethnographie gilt es zu beachten?
Studierende lernen anhand von konkreten Fallbeispielen, ausgewählte theoretische und methodologische Zugänge kennen. Sie gewinnen so einen Überblick über die Diversität digitaler Phänomene, Prozesse und Praktiken sowie deren ethnographische Beschreibung und Untersuchung.

Literatur (Auswahl)

Boellstorff, T., Nardi, B., Pearce, C., & Taylor, T. L. (2012). Ethnography and virtual worlds: A handbook of method. Princeton: Princeton University Press.

Budka, P. (2019). Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In M. Luger, F. Graf & P. Budka (Eds.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance (pp. 163-188). Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press.

Hakken, D. (1999). Cyborgs@Cyberspace: An ethnographer looks to the future. London: Routledge.

Hjorth, L, Horst, H., Galloway, A., & Bell, G. (2016). The Routledge Companion to digital ethnography. New York: Routledge.

Miller, D., & Slater, D. (2002). Ethnography and the extreme Internet. In T. H. Eriksen (Ed.), Globalisation: Studies in anthropology (pp. 39-57). London: Pluto Press.

Pink, S., Horst, H., Postill, J., Hjorth, L., Lewis, T., & Tacchi, J. (2016). Digital ethnography: Principles and practice. Thousand Oaks, CA: Sage.

Postill, J., & Pink, S. (2012). Social media ethnography: The digital researcher in a messy web. Media International Australia, 145(1), 123-134.

More info: https://ufind.univie.ac.at/en/course.html?lv=240033&semester=2019W

Presentation: MyKnet.org: The cultural history & social life of an indigenous web-based environment

Presentation: MyKnet.org: The cultural history & social life of an indigenous web-based environment published on No Comments on Presentation: MyKnet.org: The cultural history & social life of an indigenous web-based environment

Budka, P. (2019). MyKnet.org: The cultural history and social life of an indigenous web-based environment. Paper at “The Web That Was: Archives, Traces, Reflections” Conference (RESAW19), Amsterdam, Netherlands: University of Amsterdam, 21 June. Presentation (PDF)

Ethnographic Vignette

In the summer of 2006, during my first field trip to Northwestern Ontario, I visited the Frenchman’s Head community of Lac Seul First Nation which is one of the region’s few non-remote indigenous communities that can be reached by car and by boat. In the Band Office, the community’s largest administrative building, I was introduced to 16 year old Candice, a well known MyKnet.org user. She told me that she did set up her first MyKnet.org page a couple of years ago to stay in touch with friends and family and to let people know about her life. To communicate with friends and family members, she added a c-box to her homepage where people could leave messages.

As I found out later, almost everyone in the Band Office had a MyKnet.org homepage. Even though some didn’t know how to work with their websites. They needed the help of young, web-savvy colleagues, friends and family members. Candice introduced me to an older lady who told me that she had to register for a new MyKnet.org page only two weeks ago because her original page was registered under her now divorced husband’s name. And since she didn’t want to be constantly reminded of this, she needed a new homepage. KO-KNET, the First Nations internet organization that has been managing the MyKnet.org homepage service, only approves registrations with real, locally known, First Nation names that are then displayed in the URL of the page.

Candice helped her setting up the page, finding and applying the right layout and updating the content. As she told me later, she was regularly reminding other employees at the office to keep their respective homepages up to date. She also told me that she has started to use other, commercial website providers, such as Piczo (2002-2012). They were easier to use than MyKnet.org and provided more web space and technical features and possibilities.

Seminar: Media Activism

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For the MA Program “Visual and Media Anthropology” at the Free University Berlin, I am organizing a newly developed seminar on media activism.

Course Description

Activism with/in/through media can be broadly understood as forms of technology mediated activism that intend to spark, create and/or support social and political change. So change (and therefore continuity) is at the heart of media activism, as, for instance, Kidd and Rodriguez (2009: 1) note: “Grassroots media have grown from a set of small and isolated experiments to a complex of networks of participatory communications that are integral to local, national, and transnational projects of social change”. Since media activism is related to a diversity of phenomena – such as power relationships, conflict or globalization – as well as to questions about the conception of time and space, organizational structures, collective identities and different forms of sociality, it has become a broad, interdisciplinary research field. This course gives an overview of media activism from a predominantly anthropological and ethnographic perspective.

When engaging with media activism, a variety of contexts, theoretical conceptualizations and methodological approaches have to be considered. In this course, students learn about these aspects by reviewing relevant literature and by discussing different forms and examples of media activism and related questions, issues and problems:

  • How can we contextualize media activism and related practices in anthropology?
  • What historical developments can we identify? And what does this tell us about contemporary activist processes and practices?
  • What is the role of (sociocultural and technological) change, politics, power, globalization and (de)colonization in an anthropological engagement with media activism?
  • How can we ethnographically describe and analyze media activist processes and practices? What are the possibilities and challenges?
  • How can we understand media activism in digital times and in the age of social media? What has changed?
  • What does it mean to interpret and conceptualize media activism as (a form or a part of) cultural activism?

Reference

Kidd, D., & Rodriguez, C. (2009). Introduction. In C. Rodriguez, D. Kidd, & L. Stein (Eds.), Making our media: Global initiatives toward a democratic public sphere, Volume 1: Creating new communication spaces (pp. 1-22). New York: Hampton Press.

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Book Chapter: Indigenous Media Technologies in “The Digital Age”

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Budka, P. (2019). Indigenous media technologies in “the digital age”: Cultural articulation, digital practices, and sociopolitical concepts. In S. S. Yu & M. D. Matsaganis (Eds.), Ethnic media in the digital age (pp. 162-172). New York: Routledge.

Introduction
Indigenous engagements with digital media technologies have been analyzed from different angles and by discussing a variety of issues, from technology access and literacy, to language, culture, and politics (e.g., Dyson, Grant, & Hendriks, 2016; Dyson, Hendriks, & Grant, 2007; Landzelius, 2006a). By drawing on a literature review and on an ethnographic case study, I am providing an anthropological perspective on the relationship between indigenous people and digital media technologies that focuses on digital practices related to the mediation of culture and the formation of (cultural) identity. Within this mediation process, cultural elements of the dominant, non-indigenous societies are recombined with elements from indigenous cultures. “Indigenized” media technologies promote thus an open and dynamic understanding of culture in “the digital age.” But when it comes to characterizing and understanding non-Western media phenomena and processes, terms such as “the digital age” or “the network society” have their conceptual weaknesses. These concepts are inherently ethnocentric, that is, Euro-American centered, implying an evolutionary world view that tends to ignore culturally different ascriptions of meaning to digital realities. I am following here Ginsburg (2008), who states that these concepts are rather reinforcing the imaginary of “the other,” existing in “a time not contemporary with our own” (p. 291). Thus, this chapter presents an anthropologically informed approach to the relationship between media technologies, culture, and politics that advocates the significance of non-Western perspectives and realities in conceptualizing and understanding the diversity of digital life.

Seminar: Digital & Visual Technologies as Material Culture

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In the summer term 2019, I am giving a seminar on digital and visual technologies as material culture at the Department of Social and Cultural Anthropology (MA & CREOLE study programme) of the University of Vienna. Find more information online.

This course gives an overview about material culture as a conceptual and practical approach to understand digital and visual technologies. In doing so, it focuses on digital technologies, their visual aspects and how they are integrated and utilized in everyday life.

Mobile networked digital media technologies, such as smart phones, as well as social media platforms and services, such as Facebook or Instagram, have become important (visual) communication and (re)presentation tools. For social and cultural anthropology it is of particular interest how these digital devices and technologies are integrated and embedded into everyday life, by considering changing sociocultural, political and economic contexts. This course focuses in particular on the material aspects of digital and visual technologies and how they are utilized on a day-to-day basis. Questions about the relevance of a material culture approach for (the understanding of) technology appropriation on a theoretical and practical level as well as questions about (culturally) different usage practices are discussed. How does the understanding and conceptualisation of digital and visual technology as material culture contribute to the exploration and analyses of contemporary and emerging sociocultural practices and processes in increasingly digital societies?

By working on different case studies, students get a comparative overview about material culture in the context of digital and visual technologies. Students conduct small empirical research projects within teams.

Digitale Anthropologie

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Dieser Text wurde 2017 für den Blog der Universität Wien geschrieben; für eine überarbeitete und erweiterte Version des Textes siehe
Budka, P. 2019. Von der Cyber Anthropologie zur Digitalen Anthropologie. Über die Rolle der Kultur- und Sozialanthropologie im Verstehen soziotechnischer Lebenswelten. In: Luger, M., Graf, F. & Budka, P. (Hg.), Ritualisierung – Mediatisierung – Performance. Göttingen: V&R Unipress/Vienna University Press, 163-188.

Die Kultur- und Sozialanthropologie ist längst nicht mehr nur die Wissenschaft von „einfachen“, außereuropäischen Gesellschaften und Kulturen. Seit Jahrzehnten forscht die Kultur- und Sozialanthropologie kulturvergleichend zu komplexen Prozessen, Entwicklungen und Veränderungen in allen menschlichen Gesellschaften und Kulturen. Da war es nur eine Frage der Zeit bis die ersten Kultur- und SozialanthropologInnen begannen sich auch mit digitalen Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT), wie dem Internet, Smartphones oder Sozialen Medien, auseinander zu setzen. Die Wiener Kultur- und Sozialanthropologie war dabei – zumindest im deutschen Sprachraum – unter den ersten, die sich mit den Verbindungen und Zusammenhängen zwischen digitalen Medientechnologien und soziokulturellen Phänomenbereichen aus spezifisch anthropologischer/ethnologischer Perspektive befassten.

In diesem Blogbeitrag gehe ich der Frage nach, welche Rolle die Kultur- und Sozialanthropologie in der Untersuchung und in weiterer Folge im Verstehen digitaler Medientechnologien spielt. Andere Aspekte der Digitalisierung dieser Disziplin – wie z.B. computerunterstützte Forschungsprojekte und -methoden, neue Publikationsmöglichkeiten durch Open Access, neue Wege der Präsentation und Kommunikation von Forschung mittels Blogs oder Sozialer Medien sowie neue Methoden und Strategien für Lernen und Lehre – kann ich hier nicht näher diskutieren.

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